Warum der zulässige Blutdruck immer weiter sinkt

Warum der zulässige Blutdruck immer weiter sinkt

Die USA haben eine neue Leitlinie für den Bluthochdruck festgelegt. Ab einem Blutdruck von 130/80 mmHg wird man in USA nun als Hypertoniker eingestuft. Das ist die neue Grenze, die ein Gremium der American Heart Association und des American College of Cardiology in ihren aktuellen Leitlinien festgelegt hat.

Blutdruck 120/80 mmHg ist "normal"

Der Grund: Die Experten reagieren damit auf wissenschaftliche Erkenntnisse, denen zufolge schon eine leichte Erhöhung des Blutdruckes zu Gesundheitsschäden führen kann. Der Normalwert läge demnach bei einem Druck von 120/80 mmHg. Das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen sei bereits im Bereich zwischen 130-139/80-89 mmHg verdoppelt im Vergleich zu einem „normalen“ Blutdruck von bis zu 120/80 mmHg. Nun soll der Blutdruck zumindest auf 130/80 mmHg gesenkt werden. In den USA sind damit auf einen Schlag rund 35 Millionen Menschen Blutdruckpatienten geworden. In Deutschland gilt noch, dass ein Patient Bluthochdruck hat, wenn seine Werte bei 140/90 mmHg und darüber liegen. Allerdings gehen Experten davon aus, dass die US-Grenzwerte bald auch in Deutschland eingeführt würden.

Wird der Blutdruck auf 120 gesenkt, sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen seltener

Der neuen Bluthochdruck-Leitlinie in den USA liegt die sogenannte Sprint-Studie zugrunde. Diese kam zu dem Ergebnis, dass Menschen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen seltener erkranken oder frühzeitig sterben, wenn ihr Blutdruck auf 120 gesenkt wird. Allerdings gibt es auch Kritik an der Untersuchung: Die Messmethode für den Blutdruck unterscheide sich von den Messungen, die in der ärztlichen Praxis durchgeführt würden und ließen sich daher nicht auf den Alltag von Millionen von Patienten übertragen. In die Leitlinien flossen jedoch noch weitere Metaanalysen ein, die ebenfalls für eine strengere Einstellung des Blutdrucks sprechen.

Bluthochdruck ist neben Rauchen einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkte, Herzschwäche und Schlaganfälle. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in westlichen Ländern.

Die Deutsche Hochdruckliga (DHL) hat Mitte September ihrerseits neue Empfehlungen zum Bluthochdruck veröffentlicht. Sie hält aber zumindest bis auf weiteres an den bisherigen Blutdruckzielen fest und empfiehlt einen generellen Zielwert von 140/90 mmHg. Für Risikopatienten wie Diabetiker und Herzkranke gelten 135/85 mmHg.

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