Wie Staub das Herz aus dem Takt bringt

Winzige Staubpartikel in der Größe von weniger als hundert Nanometer können Herz und Gefäße schädigen. (Ein Nanometer ist 0,000000001m). Die ultrafeinen Staubteilchen sind sogar in der Lage, das Herz aus dem Takt zu bringen. Das haben jetzt Dr. Annette Peters vom Institut für Epidemiologie und Dr. Holger Schulz vom Institut für Inhalationsbiologie am GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit im bayerischen Neuherberg herausgefunden. Die Wissenschaftler haben entdeckt, wie Kohlenstoffpartikel, die vor allem aus Abgasen von Autos und Fabriken stammen, den Organismus schädigen können: In der Blutbahn kann der Schwebstaub Blutplättchen aktivieren, die dann die Gerinnungsfähigkeit des Blutes erhöhen. Das Blut wird dadurch zähflüssiger und die Wahrscheinlichkeit, daß sich Gerinnsel bilden, steigt. Außerdem bewirken die Teilchen, daß Arterien nicht mehr so schnell ihren Durchmesser vergrößern können. Das Herz wird dadurch in Streßsituationen nicht ausreichend durchblutet. Die Folgen sind Herzrhythmusstörungen, die zum Infarkt führen können. Störung des Herzmuskels – Kammerflimmern und Herzstillstand sind möglich Die Schadstoffe, beeinflussen der Untersuchung zufolge auch die autonome Kontrolle, die den Herzschlag steuert. „Unter ihrem Einfluß wird der Puls beschleunigt und das Herz schlägt zu regelmäßig“, heißt es in einer Mitteilung des GSF-Forschungszentrums. Dieser Satz klingt zunächst recht verblüffend, denn ein regelmäßiger Herzschlag wird schließlich allgemein als Zeichen von Gesundheit gewertet. Dazu Frau Dr. Anette Peters gegenüber MEDIZIN-WELT: „Gemeint ist eine Abnahme der Herzratenvariabilität. Man hat nachweisen können, daß nach einem Herzinfarkt das Herz die Fähigkeit verlieren kann, auf äußere Einflüsse zu reagieren, d.h. die Herzrate wird den Anforderungen entsprechend nicht mehr so gut reguliert. Dies hat langfristig negative Auswirkungen auf diesen Personenkreis. Auch an Tagen mit hohen Luftschadstoffkonzentrationen beobachtet man eine leichte Abnahme der Herzratenvariabilität. Man vermutet daher, daß die Luftschadstoffe für Personen mit bestehenden Herzkreislauferkrankungen eine zusätzliche Belastung zu der sowieso schon existierenden Krankheit bedeuten.“ Bei gesunden Menschen reagiert das Herz sensibel auf äußere und innere Reize. Die Herzschlagfolge oder Herzratenvariabilität wird darauf abgestimmt und je nach Bedarf erhöht oder verringert. Unter dem Einfluß ultrafeiner Stäube, so die Wissenschaftler in Neuherberg, verliere das Herz diese Fähigkeit zum Teil. Gleichzeitig sei der Herzmuskel nicht mehr in der Lage, sich stark zusammenzuziehen, da der Kalziumhaushalt der Zelle gestört sei. Die veränderte Ionenkonzentration könne überdies zu Kammerflimmern und Herzstillstand führen. Auch über Rezeptoren auf der Oberfläche der Lungenbläschen könnten die mikrofeinen Staubpartikel das autonome Nervensystem beeinflussen und den Sympathikus, der den Körper in Alarmbereitschaft versetzt, aktivieren. Bei vorbelasteten Personen sei es dadurch möglich, daß das Herz unregelmäßig schlage und nicht ausreichend durchblutet werde. Die Gefahr eines Herzinfarktes wird stark erhöht Schließlich könne sich durch die Partikel auch das Lungengewebe entzünden, wodurch Botenstoffe freigesetzt würden. Diese seien dafür verantwortlich, daß das Blut schneller gerinne und der Körper Abwehrkräfte mobilisiere. Als Folge komme es zu einer erhöhten Freisetzung des Gerinnungsstoffes Fibrinogen, das Blut werde zähflüssiger und die Arterien verkalkten schneller. Reiße so eine arteriosklerotische Stelle, würden die Blutgerinnsel, die sich darauf bilden, um so größer, je mehr Fibrinogen vorhanden sei. Die Gefahr eines Herzinfarkts werde dadurch stark erhöht. Vor den Gefahren durch diese unendlich kleinen Staubteile scheint es kaum einen Schutz zu geben. Es sei denn, es werden Technologien entwickelt, die ihre Ausbreitung verhindern. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, daß vor allem die geringe Größe der untersuchten ultrafeinen Partikel sie so gefährlich mache. Nasenschleimhaut, Membranen und Makrophagen des Immunsystems seien eher darauf spezialisiert, größere Teilchen abzufangen.

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