Warum die Zahnspange Erwachsene begeistert

Warum die Zahnspange Erwachsene begeistert

Die Zahnspange für Erwachsene liegt im Trend

MEDIZIN-WELT - Die Zahnspange war bei Kindern und Heranwachsenden einst als Kussbremse und Nuschelquelle verhasst. Inzwischen hat die Zahnspange aber Kultstatus erlangt und erobert selbst die Welt der Erwachsenen. Man versucht seine Zahnspange auch nicht mehr um jeden Preis zu verbergen, sondern zeigt sie offen. Sogar erwachsene Stars lächeln mit manchmal mit einer Spange auf den Zähnen selbstbewusst in die Kamera.

Die Zahnspange: Erwachsene tragen sie jetzt auch 

Zahnspangen gelten sogar als sexy, warum auch immer. In der Münchner Uniklinik sprach ein Fotomodell vor, das sich trotz ebenmäßiger Zahnreihen Brackets für Erwachsene verpassen lassen wollte, weil ihr Fotograf meinte, damit würde sie interessanter aussehen.

Auffallend viele Sportler und Schauspieler strahlen in jüngerer Zeit selbstbewusst und öffentlich mit einer Zahnspange für Erwachsene im Mund. In den USA trägt der erwachsene Manager die Zahnspange genauso wie das Schulkind. Stars wie Tom Cruise und Cher bekennen sich medienwirksam zu ihren Schienen auf den Zähnen. Die Geräte, die sie tragen, kosten beim Kieferorthopäden viele tausend Dollar und gelten als Statussymbol. Sie signalisieren auch: Es ist nie zu spät für eine Zahnspange, auch nicht für Erwachsene.

Warum jetzt die Zahnspange Erwachsene begeistert

Prof. Dr. Ingrid Rudzki, Direktorin der Klinik für Kieferorthopädie an der Universität München konstatiert: "Es gibt einen eindeutigen Trend zur Zahnspange bei Erwachsenen. Wir haben ein verändertes Ästhetikbewusstsein. Schöne Zähne gelten heute als Symbol für Jugend, Erfolg und Biss. Dafür nimmt man in Kauf, vorübergehend mit nicht ganz so ästhetischen Hilfsmitteln wie einer Zahnspange im Mund herumzulaufen, um Kieferfehlstellungen zu behandeln.

Selbstbewusst präsentieren vor allem Angehörige der Leistungselite ihr metallisch blinkendes Lächeln und zeigen, was sie aus medizinischen oder ästhetischen, vielleicht auch aus modischen Gründen tragen: Brackets. So nennt man die Zahnspange für Erwachsene, bei der Metallgebilde auf die Außenseite der Zähne geklebt und mit elastischen Drähten verbunden werden, um die Zahnstellung zu "regulieren". Die Behandlungszeiten betragen etwa eineinhalb bis maximal drei Jahre.

Der erstaunliche Imagewandel der Zahnspange

Das einstmals schlicht als „Zahnklammer“ bezeichnete Gerät der Kieferothopädie hat einen erstaunlichen Imagewandel hinter sich. Er wird auch dadurch symbolisiert, dass es eben nicht mehr Zahnspange oder -klammer heißt. Der Begriff Brackets kommt - wie könnte es anders sein - aus dem Englischen. Dort steht er allerdings auch für "Klammer, Stütze, Träger". Aber Bracket passt eben besser zu Kids, Young-Generation und modernen Erwachsenen.

Dass bei Kindern die früher so ungeliebten Drahtgestelle zu einem regelrechten Kultobjekt werden konnten, liegt auch am veränderten Aussehen der Zahnspange. Heute kann man sich bei losen Zahnspangen die Farbe aussuchen. So tragen nicht wenige Jugendliche und Erwachsene ihre Zahnspange neuerdings mit einem gewissen Stolz.

Dazu kommt aus Amerika ein neuer Gag: Festsitzende Zahnspangen werden mit knallbunten Plastikringen aufgepeppt. Immer mehr Kinder lassen sich den schmucklosen Draht vom Kieferorthopäden oder Zahnarzt mit roten, blauen oder neongrünen Schmuckringen verschönern. "Die bunten Ringe sehen echt irre aus", befand die 15jährige Julia aus München, die in der Jugendzeitschrift BRAVO ihren neuen "Zahnschmuck" präsentierte.

Woher neuerdings dieses starke Bedürfnis nach möglichst makellosen Gebissen kommt, ist auch denen ein Rätsel, die täglich damit zu tun haben: den Fachärzten für Kieferorthopädie. Sie werben zwar seit Jahrzehnten mit guten Argumenten für mehr Vorsorge und rechtzeitige Behandlung von Gebissfehlstellungen durch Zahnspangen, auch bei Erwachsenen. Lange Zeit jedoch mit nur mäßigem Erfolg. Doch seit etwa zwei Jahren liegt die Kunst, die sie anbieten, auf einmal voll im Trend. Vielleicht liegt das an Tom Cruise.

Wie mit einer Zahnspange Erwachsene Gebissfehlstellungen korrigieren können: Ihr Kieferorthopäde kann sichtbare oder unsichtbare Spangen oder Schienen anbringen.Wie mit einer Zahnspange Erwachsene Gebissfehlstellungen korrigieren können: Ihr Kieferorthopäde kann sichtbare oder unsichtbare Spangen oder Schienen anbringen.

Die Meinung, Zahnspangen helfen bei Erwachsenen nicht, ist überholt

Eine kieferorthopädische Behandlung hat kaum mehr etwas mit dem Alter zu tun. Die Behandlung mit einer Zahnspange ist heute für Erwachsene genauso selbstverständlich geworden wie für Kinder und Jugendliche. Schließlich spielt der äußere Eindruck in vielen Berufen eine immer wichtigere Rolle. Das hat in letzter Zeit eine Reihe von Umfragen bestätigt. Ein Wirtschaftsblatt riet seinen Lesern, nicht nur in eine gediegene Ausbildung zu investieren, wenn sie Erfolg haben möchten, sondern vor allem in gutes Aussehen.

Die Harmonie eines Gesichtes und die Sprache seines Besitzers, werden vom Zustand und vom Aussehen des Gebisses beeinflusst. Schiefstehende Zähne und fehlerhafte Gebissstellung schmälern in jedem Fall die Attraktivität.

Eine aktuelle Emnid-Umfrage ergab: schöne Zähne sind auch ein Status-Symbol. Besonders Frauen und jüngere Befragte gaben an, dass Aussehen ihrer Zähne ihnen sehr wichtig ist. Für 81 Prozent der Befragten kam ihm eine hohe Bedeutung zu, für 63 Prozent sogar eine sehr hohe.

Viele Erwachsene wissen nicht, dass die Kieferorthopädie mit einer Zahnspange

Ein perfektes Gebiss schenkt die Natur allerdings nur wenigen. So wundert es nicht, dass die Bereitschaft, unter Umständen viel Geld für schöne und gesunde Zähne auszugeben, bei einem Drittel der Befragten sehr hoch war. Rund 49 Prozent der Deutschen gaben an, mehr Geld auszugeben, wenn sie dafür schöne Zähne bekämen.

Mehr als die Hälfte der Erwachsenen, die eine Zahnfehlstellung mit einer Zahnspange korrigieren lassen, tun dies aus ästhetischen Gründen, ergab eine Studie an der Münchner Uniklinik. 24 Prozent kommen, weil sie Gesichts- oder Kieferschmerzen haben. Die übrigen Patienten wollen etwa einen gekippten Backenzahn richten lassen, damit dieser als Pfeiler für eine Brücke taugt. Die zwischen 2000 und 7000 Euro teure Behandlung müssen sie alle aus eigener Tasche bezahlen, sofern sie volljährig und gesetzlich versichert sind - es sei denn, der Kiefer steht so schief, dass er chirurgisch in Form gebracht werden muss.

Viele Erwachsene leiden allerdings unter Kieferanomalien und schiefstehenden Zähnen, ohne zu wissen, dass ihnen geholfen werden kann. Selbst Zahnärzte und Kieferorthopäden mussten erst lernen, ihre Kunst der Zahnspange auch auf Erwachsene anzuwenden. "Lange Zeit galt, dass man Zahn- und Kieferfehlstellungen bis zum Abschluss des Wachstums gut korrigieren könne, danach aber besser die Finger davon lässt", erläutert Professor Dr. Rainer-Reginald Miethke, Direktor der Abteilung für Kieferorthopädie und Orthodontie an der Berliner Charité. Dank neuer Materialien und Techniken habe sich das Behandlungsspektrum mit einer Zahnspange für Erwachsene inzwischen aber erheblich erweitert.

Für den Einsatz der Zahnspange bei Erwachsenen müssen die Zähne gesund oder gut repariert sein

Prof. Rudzki: "Wir haben heute eine deutlich bessere Zahngesundheit bei den Kindern, aber auch bei den Erwachsenen, als früher." Das seien auch unabdingbare Voraussetzungen für eine Zahnspange. Nur mit sauberen, gesunden oder zumindest gut reparierten Zähnen könne die Zahnspange Erwachsenen nämlich eingesetzt werden. Fast immer sei vor der Zahnspange aber bei den Erwachsenen zunächst die Sanierung des Zahnhalteapparats nötig. Erst danach könnten die Zähne "in jede beliebige Richtung bewegt werden", so die Expertin.

Um unschöne Fehlstellungen der Zähne zu korrigieren und ein makelloses Gebiss zu bekommen, werden Maßnahmen durchgeführt, die sich Zahnkippung, Rotation, Verschiebung, Wurzelkippung, aktive Zahnverlängerung oder -verkürzung nennen. Das Behandlungsziel bestimmt, welche Zahnspange Erwachsene eingesetzt bekommen: eine Außenspange ("Headgear"), eine herausnehmbare Klammer, fest mit dem Zahnschmelz verbundene Brackets, die je nach Geschmack und Geldbeutel aus Metall, zahnfarbener Keramik oder transparentem Plastik sein können.

Die moderne Kieferorthopädie ist heute in der Lage, auch bei Erwachsenen mit einer Zahnspange schwierigste Fehlstellungen zu korrigieren oder zu beseitigen, zum Teil mit Hilfe der Kieferchirurgie. Dank ständiger Weiterentwicklung von Techniken und Materialen ist die Behandlung in letzter Zeit immer angenehmer für den Patienten, und die Ergebnisse, die eine Zahnspange Erwachsenen bieten kann, sind immer perfekter geworden.

Mit einer Zahnspange können Zahnfehlstellungen korrigiert werden. Die Kieferorthopädie sorgt für ein strahlendes Lächeln.Mit einer Zahnspange können Zahnfehlstellungen korrigiert werden. Die Kieferorthopädie sorgt für ein strahlendes Lächeln.

Kieferorthopädie korrigiert die Evolution

Wirklich gerade Zähne - die in Reih und Glied stehen und stets optimal angeordnet sind - sind eher eine Seltenheit geworden. Als Grund sehen Wissenschaftler, die sich mit der Evolutionsgeschichte befassen, die Größe der menschlichen Zähne an. Sie habe sich im Laufe der Jahrtausende nicht im selben Umfang zurückgebildet, wie die Größe der Kiefer. Daraus resultierten zwangsläufig viele Engstände und Fehlentwicklungen bei den Gebissen des Menschen von heute. Manche Engstände seien auch vererbt - wenn etwa das Kind vom Vater große Zähne, aber von der Mutter einen schmalen Kiefer mitbekomme.

Zwar leben viele Menschen durchaus zufrieden, auch wenn ihre Zähne nicht wie Perlen an einer Schnur aufgereiht sind. Doch oft ist es auch bei Erwachsenen notwendig, mit einer Zahnspange zu korrigieren, um Schleimhauteinbisse oder Schädigungen des Zahnhalteapparates zu vermeiden, oder um die Beißfähigkeit zu verbessern. Eine ebenmäßige Zahnreihe lässt sich zudem leichter pflegen - sie ist weniger anfällig für Karies und Parodontose.

Die Technik der Kieferorthopädie

Es gibt in der klassischen Kieferorthopädie verschiedene Arten von Apparaturen, sowohl festsitzende als auch herausnehmbare, die eingesetzt werden, um die Zähne zu verschieben, die Muskulatur umzugewöhnen und das Kieferwachstum zu beeinflussen. Diese Apparaturen üben Druck auf die Zähne und den Kiefer aus. Aufgrund der jeweiligen Schwere des Problems wird festgelegt, welche kieferorthopädische Behandlung den größten Erfolg verspricht.

Festsitzende Apparaturen

Die am häufigsten eingesetzte festsitzende kieferorthopädische Apparatur besteht aus Bändern, Drähten und den als Brackets bezeichneten Klammern. Die Bänder werden um die Zähne oder den Zahn befestigt und als Anker für die Apparatur verwendet, während die Brackets selbst meist auf die Vorderseite des Zahns geklebt werden. Bogenförmige Drähte werden durch die Brackets gezogen und an den Bändern befestigt. Beim Festziehen des Bogens wird Druck auf die Zähne ausgeübt, und sie werden allmählich in ihre richtige Position verschoben.

Brackets haben den Vorteil, dass sich mit ihnen auch komplizierteste Zahnfehlstellungen richten lassen, selbst wenn das Teenageralter bereits weit zurückliegt. Sie werden in der Regel monatlich angepasst, um das gewünschte Resultat zu erreichen. Die Behandlung kann innerhalb weniger Monate oder einiger Jahre zum Erfolg führen. Moderne Apparaturen sind meist kleiner und leichter als jene, die man aus der Vergangenheit kennt, und es ist sehr viel weniger Metall zu sehen.

Brackets gibt es aus Stahl, Keramik, Kunststoff und goldfarbenem Material. Passend dazu sind die Bögen aus Stahl entweder zahnfarben oder vergoldet. Es gibt sie auch in durchsichtigen Ausführungen, die von vielen Erwachsenen bevorzugt werden.
Weil die Brackets während der Behandlung nicht abgenommen werden, können sie permanent den für die Zahnbewegung notwendigen Druck des Spannbogens auf die Zähne ausüben. Ein Grund, warum diese Form der Behandlung auch rascher zum gewünschten Ziel führt als lose Zahnspangen.

Herausnehmbare Geräte (Invisalign)

Im Volksmund heißen die herausnehmbaren Geräte Zahnspangen. Sie sorgen sowohl im Oberkiefer als auch im Unterkiefer für Bewegung. Herausnehmbare Geräte, also Zahnspangen, sind aus Kunststoff und Drahtelementen hergestellt. Letztere sorgen nicht nur für den Halt, sondern auch dafür, dass sich einzelne Zähne oder eine ganze Zahngruppe in die gewünschte Richtung verschieben lassen. Mit winzigen Schrauben wird die Spange immer wieder so verstellt, dass eine Erweiterung des Kiefers erfolgen kann oder dass engstehende Zähne den nötigen Platz bekommen.

Beim neuesten Klammer-System "Invisalign", das häufig als Zahnspange für Erwachsene, wiederum erhält der Patient je nach Befund bis zu 50 transparente Plastikschienen, die er nach einem ausgeklügelten Therapieplan zirka alle 14 Tage wechselt.

Die "unsichtbaren Zahnspangen" für Erwachsene der Lingualtechnik

Neben dem Trend, sich offen und sichtbar zur Kieferregulierung im Erwachsenenalter und als Berufstätiger zu bekennen, zeichnet sich in den letzten Jahren auch eine parallele Entwicklung zur "unsichtbaren Spange" ab. Nicht alle erwachsenen Patienten akzeptieren auf den Außenseiten der Zähne angebrachte, beim Sprechen sichtbare kieferorthopädische Apparaturen.

Um auch diesen Patienten eine Behandlung ihrer Gebissfehlstellungen zu ermöglichen, fingen einige Kieferorthopäden in den USA vor rund 20 Jahren an, von außen vollständig unsichtbare, auf der Innenseite der Zähne angebrachte Apparaturen (allgemein oft "unsichtbare Zahnspangen" genannt) zu verwenden.

Die Resultate waren damals nicht immer ermutigend, da die Apparaturen nicht ausgereift waren und es vor allem an guter Ausbildung mit der nicht einfachen Technik fehlte.

Inzwischen steht die linguale Apparatur in der ausgereiften, siebten Generation zur Verfügung. Mit der Lingualtechnik können heute fast alle Zahnfehlstellungen mit exzellenten Resultaten behandelt werden.

Die Komforteinschränkung ist, wie Fachleute einräumen, gegenüber der normalen, außen angebrachten Apparatur zunächst etwas erhöht. In den ersten zwei bis vier Wochen gibt es Probleme beim Essen und Sprechen. Die Zunge findet zu wenig Platz, stößt an, manchmal entzündet sie sich auch. Aber nach der Gewöhnungsphase haben Erwachsene in der Regel keine nennenswerten Probleme mit der lingualen Apparatur. - Ein Nachteil bleibt jedoch der im Vergleich zur Standardapparatur erheblich höhere Preis.

Bei der Lingualtechnik ist jeder Behandlungsfortschritt zu sehen

Lingual heißt auf Deutsch zungenseitig. Mit Lingualtechnik ist die Korrektur von Zahnfehlstellungen gemeint, für die feste Apparaturen zungenseitig, also auf der Innenseite der Zähne befestigt werden.

Die genaue Positionierung der Brackets auf der Zahninnenseite ist wesentlich schwieriger als auf der Zahnaußenseite. Auch das exakte Biegen des Drahtes ist diffiziler. Unterschiedliche Zahndicken, die bei Brackets auf der Außenseite keine Rolle spielen, machen die zungenseitige Technik zusätzlich kompliziert. Präzision ist hier oberstes Gebot, wenn die Behandlungszeiten kurz und die Ergebnisse optimal sein sollen.

Die Vorteile der Lingualtechnik liegen - von den Kosten abgesehen - auf Seiten des Patienten, wenn er als Erwachsener, im Berufsleben stehender Patient, aus ästhetischen Gesichtspunkten, die festsitzende Apparatur lieber hinter den Zähnen verbergen möchte. Bei der Lingualtechnik gibt es außerdem einen psychologisch bedeutsamen Effekt: die Behandlungsfortschritte sind vom Beginn der Behandlung an zu sehen, weil sie ja nicht durch die Brackets verdeckt sind. Bei einer Behandlung mit Brackets auf der Außenseite dagegen ist zunächst nur die Apparatur zu sehen, während alle positiven Veränderungen auf den ersten Blick dahinter versteckt bleiben.

Die Nachteile einer lingualtechnischen Behandlung bestehen vor allem für den Kieferorthopäden, wegen des aufwendigeren Laborprozesses. Außerdem ist für ihn die Behandlungsführung wesentlich anspruchsvoller. Was den Behandlungserfolg betrifft, ist nach Ansicht der Kieferorthopäde n die Lingualtechnik mittlerweile der konventionellen labialen (lippenseitigen) Behandlung durchaus ebenbürtig. Bei bestimmten Indikationen erweist sich eine linguale Therapie sogar als vorteilhaft. Als Beispiele werden hier von Experten vor allem Tief- und Kreuzbisse bei Erwachsenen genannt.

Lingualtechnik kann in jedem Alter eingesetzt werden

Solange der Zahnhalteapparat noch weitgehend intakt ist, d. h. die Zähne noch relativ gut im Knochen stehen, können kieferorthopädische Maßnahmen erfolgreich angewandt werden. Das gelte uneingeschränkt auch für die linguale Techik, wie die Fachleute versichern. Die Meinung, die viele Menschen immer noch haben, dass nämlich eine feste Zahnspange nur für Kinder und Jugendliche geeignet ist, sei längst überholt. Auch jenseits der 60 seien Gebisskorrekturen noch möglich und sinnvoll.

Da die Zahninnenseite robuster und weniger anfällig für Entkalkungen und Karies ist, könnten beim Einsatz der Lingualtechnik bleibende Schäden an den Zähnen im Vergleich zu außenliegenden festen Spangen sogar öfter vermieden werden. Sollten die Zähne auf ihrer Außenseite bereits vor der Behandlung kreidige Flecken und Entkalkungen aufweisen, sei die Lingualtechnik sogar Methode der Wahl.

Das neue Invisalign-Zahnkorrektursystem

Ursprünglich in den USA von der Firma Align-Technology entwickelt und getestet, reguliert das Invisalign-System es die Zähne mit Hilfe einer Plastikschiene, die man zur Korrektur einer Fehlstellung über das Gebiss steckt. Sie sieht in etwa aus wie eine Knirsch-Schiene und wird wie eine feste Klammer ständig getragen. Nur zum Essen oder Zähneputzen muss sie aus dem Mund genommen werden. Alle zwei Wochen wird die Schiene gegen eine neue ausgewechselt, die dem veränderten Stand angepasst ist. Etwa 30 bis 40 solcher Schienen sind erforderlich, bis sich ein Behandlungserfolg einstellen kann. Konzipiert ist das System für ältere Jugendliche ab dem 18. Lebensjahr und für Erwachsene, denn Zahndurchbruch und Schädelwachstum müssen bereits abgeschlossen sein.

Laut Hersteller soll es die Kieferorthopädie revolutionieren, denn nun könnten die fast unsichtbaren Zahnspangen für Erwachsene ohne Brackets und Drähte verwendet werden. Allerdings ist mit dieser Technik eine größere Verschiebung der Zähne zur Bißkorrektur fast unmöglich, genauso wie das Korrigieren von stark verdrehten Zähnen.

Da die Schienen sehr genau angepasst werden, kann es passieren, dass sie nach eine neuen Füllung oder Krone, die während der Behandlung erforderlich wird, nicht mehr passen.

Nach Prof. Miethke funktioniert die Behandlung mit der Plastikschiene wie eine "Kontaktlinse" für die Zähne. Zunächst nimmt der behandelnde Kieferorthopäde Silikonabdrücke, Röntgenbilder und Fotos von Ober- und Unterkiefer des Patienten. Dann wird die halbe Welt in die Gebisskorrektur eingeschaltet: In den USA macht Align-Technology mittels der Daten ein 3-D-Modell. Dieses wird nach Pakistan übermittelt, wo anhand eines simulierten Ausgangsmodells die einzelnen Therapieschritte berechnet werden. Mit Hilfe dieser Grundlage stellt man dann in Mexiko die Plastikschienen her. Insgesamt dauert der Herstellungsprozess runde vier Wochen. Die Kosten der ganzen Behandlung liegen nach Angaben von Align-Technology bei rund 3000 bis 5000 Euro.

Weshalb sich Zähne überhaupt bewegen lassen

Zähne sind keineswegs in den Kieferknochen fest eingewachsen, sondern von Natur aus beweglich. Die Verankerung im Kiefer übernehmen spezielle Kollagenfasern (Sharpey-Fasern). Daran sind die Zähne beweglich aufgehängt und festgehalten. Deshalb können Zähne auch "wandern" und ihre Stellung, unabhängig vom Alter, von sich aus verändern. Das kann zum Beispiel der Fall sein beim Durchbruch der Weisheitszähne, wenn auch keineswegs in dem gravierenden Umfang, wie man das früher angenommen hatte, oder bei andauernden Fehlbelastungen.

Diese Gegebenheiten macht sich die Kieferorthopädie zunutze. Mit Zahnspangen für Erwachsene gelingt es ihr, Zähne in alle Richtungen zu bewegen. Der Behandlungserfolg ist allerdings sehr stark von der Mitarbeit des Patienten abhängig. Die Tragezeiten müssen unbedingt eingehalten werden, da sonst die Zähne wieder in ihre alte Position zurückwandern können.

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