Winterdepression: Was hilft bei Lichtmangel in den dunklen Tagen?

Winterdepression: Was hilft bei Lichtmangel in den dunklen Tagen?

Winterdepression mit Erschöpfung, Müdigkeit und Antriebslosigkeit entsteht bei Lichtmangel im Winter. Fast eine Million Deutsche verfällt jeden Winter in Winterdepression.

Lichtmangel setzt den meisten Menschen psychisch zu. Nur acht Prozent der Deutschen mögen den Winter lieber als den Sommer. Und nur die Hälfte der 82 Millionen Einwohner Deutschlands (50,5 Prozent) übersteht die kalte Jahreszeit weitgehend ohne Beschwerden. Die andere Hälfte klagt im Winter über Krankheitsanfälligkeit, Müdigkeit, häufige Erschöpfung, depressive Verstimmungen. Frauen und ältere Menschen sind davon ganz besonders betroffen.

Winterdepression (SAD) betrifft jeden Winter fast eine Million Deutsche.
Winterdepression (SAD) betrifft jeden Winter fast eine Million Deutsche.

Fast eine Million Deutsche verfällt jeden Winter sogar in Winterdepressionen. Die Ärzte sprechen von einer saisonal abhängigen Depression (SAD). In der lichtarmen Jahreszeit steigt der Anteil der Patienten mit Winterdepressionen unter allen Depressiven auf insgesamt zehn Prozent. Eine Besonderheit von Winterdepressionen ist, dass die Betroffenen Heißhunger auf Süßes haben und von einem übermäßigen Schlafbedürfnis heimgesucht werden. Sie leiden nicht unter Appetitlosigkeit, mit der Depressionen für gewöhnlich einhergehen. Sie wachen auch nicht im Morgengrauen auf, um zu grübeln und mit dem Schicksal zu hadern, wie es typisch ist für andere Depressive. Und ihnen bringe auch ein Schlafpensum von zehn oder zwölf Stunden nichts. Sie blieben müde.

Die Nervenleistung geht bei Kälte deutlich zurück

Bei niedrigen Temperaturen geht die Leistungsfähigkeit der nervlichen Reizleitungen spürbar zurück. Das Empfindungsvermögen nimmt ab, Informationsübertragungen verlangsamen sich. Die Müdigkeit ist eine Folge davon. Betroffen von der Verlangsamung der Informationsübertragung sind aber zum Beispiel auch Nerven, die vor Gefahren warnen sollen. Dadurch wird das Immunsystem zu spät oder gar falsch informiert, auf jeden Fall geschwächt. Die Anfälligkeit für Erkrankungen nimmt folglich zu. Bei geschwächten Nerven haben Viren es besonders leicht. Deshalb treten Infektionskrankheiten wie Grippe, Herpes, Schnupfen und Gürtelrose im Winter deutlich häufiger auf als zu anderen Jahreszeiten. Außerdem führen die durch Lichtmangel und Kälte empfindlich gewordenen Nerven bei erhöhtem Stress zu Migräneanfällen. Frauen sind davon besonders oft betroffen, weil sie von Haus aus ein empfindlicheres Reizverarbeitungssystem haben.

Glukose und Spurenelemente sind wichtig für die Ernährung der Nerven bei Winterdepressionen

Nerven, die gut mit Nährstoffen versorgt werden, trotzen der Winterdepressionen besser als schlecht ernährte. Ihre Energie beziehen die feinen Erregungsleitungen der Nerven aus der gleichen Substanz, die auch die dicksten Muskelstränge versorgt: aus Glukose, also Zucker. Dieser wird durch die Adenosintriphosphorsäure (ATP) in die Nervenzellen transportiert, genau wie bei den Muskeln auch. ATP liefert die Energie, die nötig ist, um die elektrischen Abläufe bei der Nervenarbeit zu ermöglichen. Um jederzeit ausreichend Glukose aufnehmen zu können, sind unsere Nerven auf wichtige Spurenelemente angewiesen, zum Beispiel auf Zink und Chrom. Bei einem Mangel dieser beiden Elemente in der Nahrung kommt es zu schweren Störungen der Nervenfunktionen.

Das Hormon Melatonin kann bei Lichtmangel die Winterdepressionen auslösen

Um die besonders empfindliche Nervenmembran zu schützen, brauchen wir Vitamine des B-Komplexes, vor allem B1, B 6 und B12. Sie sind zum Beispiel enthalten in Bierhefe, Weizenkeimen, Schweinefleisch, Hülsenfrüchten, Seefisch, Honig und Nüssen. Ob wir nervlich gut drauf sind, hängt auch vom Vorhandensein sogenannter Glückshormone ab. Diese als Noradrenalin und Beta-Endorphin bezeichneten Hormone werden aus Eiweißen gebildet, die vor allem in Fleisch, Fisch, Geflügel und in Käse enthalten sind, aber auch in süßem Gebäck und Schokolade. Wenn die Tage kürzer werden und die Sonne hinter dickem Nebel verschwindet, stellt sich unser Organismus durch den Lichtmangel auf eine Art "Winterschlaf" um. Das liegt unter anderem am Schlafhormon Melatonin. Der Körper produziert Melatonin, wenn es dunkel wird, damit wir einschlafen können. Bei Helligkeit wird das Schlafhormon im Gehirn wieder abgebaut. Deshalb werden wir meist schnell munter, wenn wir im Sommer im Hellen aufwachen. Im Winter, wenn wir im Dunkeln aufstehen, ist das Schlafhormon noch nicht genügend abgebaut. Wir fühlen uns antriebslos.

Die Symptome der Winterdepression

Die saisonal abhängige Depression oder Winterdepression wurde erst 1987 als Krankheit beschrieben und anerkannt. Viele Millionen Menschen leiden alljährlich in der dunklen Jahreszeit unter dieser von Antriebsarmut und Stimmungsschwankungen gekennzeichneten Krankheit. Viele Bewohner der nördlichen Breiten sind in den Wintermonaten auch weit nervöser als im Sommer. Symptome der Winterdepression sind ein deutlich zurückgehendes Selbstvertrauen, auffallende Schlafstörungen und ein Gefühl der bleiernen Schwere. Viele können sich nur schlecht konzentrieren, sie verlieren die Freude und das Interesse an Dingen, die ihnen vorher etwas bedeutet haben - zum Beispiel an Festen wie Weihnachten oder an kulturellen Veranstaltungen. Es kommt zu Angstzuständen. Beschwerden wie Magenprobleme, Kopf-, Rücken- oder andere Schmerzen nehmen zu. Viele sind auch sexuell weniger interessiert. Die meisten müssen sich für alles und jedes überwinden und häufig schaffen sie gerade das nicht.

Was tun gegen Lichtmangel?

In Deutschland leiden bis zu einer Million Menschen unter Winterdepression. Frauen sind dabei rund drei Mal so häufig betroffen wie Männer. In den Wintermonaten sehnen sich Körper und Psyche nach Licht. Um dieses Bedürfnis zu befriedigen, fliegt eine Minderheit, die es sich leisten kann, in die Sonne und tummelt sich an weit entfernten Stränden. Für die anderen, die zu Hause bleiben und arbeiten müssen, hat die Medizinindustrie spezielle Strategien entwickelt: Licht-Therapien. Sie gehören mit zu den klassischen Naturheilverfahren, werden aber inzwischen auch von Schulmedizinern angeboten. Die Lichttherapie verwendet spezielle Leuchten, die sogenanntes Weißlicht erzeugen. Über die Netzhaut des Auges wird das Licht weitergeleitet in das Gehirn der Patienten und entfaltet dort eine ausgleichende und regulierende Funktion. Die UV-Strahlung von Solarien ist nicht nur schädlich für die Augen, sie ist auch nicht zur Stimmungsaufhellung geeignet. Lichttherapien werden seit den 80er Jahren von Psychotherapeuten erfolgreich gegen Winterdepression eingesetzt. Wer sich tagsüber viel draußen bewegt, kann das Melatonin auch ohne zusätzliche Lichtquellen abbauen und fühlt sich nach einiger Zeit wieder frisch. Deshalb sollte man im Winter jede Gelegenheit nutzen, ins Freie zu kommen. Die gefährliche Gefühlslage von Hoffnungslosigkeit und Desinteresse bewirkt, dass sich Winterdepressive - wenn überhaupt - oft erst sehr spät an einen Arzt wenden. Es gibt aber auch sehr gute Behandlungsmöglichkeiten mit Medikamenten, die nicht abhängig machten. Damit könne sowohl die akute Erkrankung bekämpft, als das Wiederauftreten der Winterdepression bei Lichtmangel im nächsten Winter verhindert werden.

Lesen Sie auch: Gegen Winterdepression hilft gezielte Lichttherapie.

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