Soforthilfe bei Depressionen

Soforthilfe bei Depressionen

Schnelle neue Wege aus dem tiefen Loch der Hoffnungslosigkeit

Depression ist, wenn Zuversicht ein Fremdwort und das Lebensgefühl vor allem negativ beladen ist, wenn keine Hoffnung mehr keimt, die Tage als Last empfunden und die Nächte von Ängsten erfüllt sind. Über 5,3 Millionen Deutsche erkranken pro Jahr an einer Depression. Vier Millionen gehen deshalb zum Psychiater, 400.000 werden stationär behandelt. Depressive Erkrankungen sind die zweithäufigsten Leiden bei Berufstätigen. Insgesamt entfallen nach einer Erhebung der DAK schon rund 15 Prozent aller Krankheitstage von Arbeitnehmern auf psychische Leiden. In den letzten zehn Jahren sind Fehlzeiten wegen Depressionen um 70 Prozent angestiegen. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Die Zahlen sind erschreckend. 20 Millionen Menschen in Deutschland leiden an psychischen Erkrankungen wie Burnout oder Depressionen. Diese Krankheiten betreffen nicht etwa die gelegentliche Traurigkeit, wie sie jeden irgendwann einmal überkommen kann. Die Millionen Deutschen, die im Jahr an einer Depression erkranken, fallen dauerhaft in ein tiefes Loch und haben meist nicht mehr die Kraft, sich selbst professionelle Hilfe zu holen. Und auch die, die es noch könnten, bekommen immer öfter nicht einmal die Chance, eine solche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Denn die Wartelisten für einen Termin bei Fachärzten und Psychotherapeuten sind lang, die Wartezeiten betragen Monate. Wenn aber Betroffene so lange ohne Hilfe bleiben, verschlimmert sich meistens das Leiden zusehends. Die Folgen sind dramatisch: Bei den jährlich rund 10.000 Suiziden in Deutschland werden Depressionen als die häufigste Ursache diagnostiziert. Für Betroffene und für Angehörige ist es angesichts dieser prekären Situation besonders wichtig, dass sie die Krankheit rechtzeitig erkennen und dass sie Bescheid wissen, wie und wo man allen Schwierigkeiten zum Trotz Hilfe bekommen kann.

Schnelle und anonyme Hilfe aus dem Internet

Hier die Gegenbewegung: Wartelisten waren gestern. Wartezimmer auch. Jetzt können sich Menschen, die in das tiefe Loch der Depression fallen, sofort von Fachkräften online Hilfe holen. Bekanntlich hilft der, der schnell hilft, ohnehin doppelt. Videosprechstunden sind nicht zuletzt deshalb seit April dieses Jahres auch Teil des Leistungskatalogs der Gesetzlichen Krankenversicherung.

Doch wie wirksam ist eine Online-Therapie? Deutschlands erstes durch Psychologen begleitetes Online-Programm, das Hilfe bei Depressionen bietet, wurde jetzt vom  Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) in einer Studie untersucht. Sechs Monate lang hat das UKE das Berliner Start-Up „Selfapy“ https://www.selfapy.de/ geprüft. Ergebnis: Selfapy kann bei Depressionen die Krankheitssymptome schnell und spürbar reduzieren. Betroffene, die seit geraumer Zeit vergeblich auf einen Therapieplatz hoffen und die händeringend nach überzeugenden Alternativen suchen, können aufatmen. Das Online-Programm Selfapy kann zumindest als Übergangslösung die Versorgungssituation für Millionen Betroffene in Deutschland endlich verbessern.

Die Selfapy-Gründerinnen v.l.n.r.: Kati Bermbach, Nora Blum, Farina Schurzfeld.Die Selfapy-Gründerinnen v.l.n.r.: Kati Bermbach, Nora Blum, Farina Schurzfeld.

Selfapy wurde mit dem Ziel, schnelle und anonyme Hilfe zu bieten, letztes Jahr von den Psychologinnen Nora Blum und Kati Bermbach sowie Farina Schurzfeld gegründet. Statt drei bis sechs Monate auf einen Therapieplatz zu warten, können  Depressive sich beim Online-Therapie-Programm Selfapy rasche Hilfe holen. Mehr als 1.000 Betroffenen konnten seit der Gründung bereits geholfen werden. Durchschnittlich habe sich eine Verbesserung der Symptome um 35 Prozent erreichen lassen. Damit könne das Online Programm im Netz mit der traditionellen Psychotherapie mithalten.

Präventive Lösung zur Verhinderung von Suizidgedanken

Neun Wochen dauert in der Regel die Behandlung durch Selfapys Online Programm. In dieser Zeit durchlaufen die Betroffenen, basierend auf Erkenntnissen der kognitiven Verhaltenstherapie, verschiedene Übungen und Module. Selfapy-Gründerin Kati Bermbach, ehemalige Mitarbeiterin der Charité in Berlin: „Dazu gehören beispielsweise Trainings zur Selbsterkenntnis, zur Tagesstruktur oder zu den sozialen Kontakten. Unsere Psychologen begleiten die Nutzer in diesem Zeitraum per Telefon, Chat oder via Skype mit wöchentlichen Gesprächen.“

Das Programm sei vor allem eine präventive Lösung, die zum Beispiel verhindern  soll, dass es bei Betroffenen zu Suizidgedanken komme. Besonders bei leichten bis mittelschweren Depressionen –z. B. vor einer Psychotherapie, begleitend zu einer medikamentösen Behandlung oder im Nachsorgestadium – sei Selfapys Online-Therapie eine wirksame Übergangslösung.

MEDIZIN-WELT hat für seine Leser mit den Gründerinnen des Online-Portals Selfapy gesprochen, um die wichtigsten Fragen zu klären.

Statt endlos auf einen Therapieplatz auf der Couch des Psychotherapeuten zu warten, können gefährdete Personen oder deren Angehörige jetzt sofort etwas tun. Die Hauptvorteile:

Rasche Hilfe in der Geborgenheit der eigenen vier Wände

Öffnung ohne Scham am Telefon oder im Chat

Erfolgreicher Verlauf bei über 80 Prozent der Teilnehmer

MEDIZIN-WELT: Wie übersetzen Sie Selfapy Ihren Klienten?

Selfapy: Unser Name setzt sich aus den englischen Wörtern “self” (=selbst) und “therapy” (=Therapie) zusammen und beschreibt somit recht treffend unser Angebot der Selbsthilfe und Online-Therapie.

MW: Depressive fallen dauerhaft in ein tiefes Loch, lautet eine psychotherapeutische Einschätzung, und sie haben meist nicht mehr die Kraft, sich selbst professionelle Hilfe zu holen. Wie kann da Selfapy funktionieren?

Selfapy: Das Angebot von Selfapy ist sehr niedrigschwellig: die Kurse können ohne großen Aufwand jederzeit und von fast überall gestartet werden, sofern ein Computer oder Smartphone mit Internetzugang vorhanden ist. Viele unserer Nutzer empfinden es als besonders angenehm, dass sie sich in der Geborgenheit ihrer eigenen vier Wände mit ihren Problemen auseinandersetzen können. Haben sich Betroffene bei uns angemeldet, motivieren wir sie zum Weitermachen. Besonders die wöchentlichen Gespräche mit unseren Psychologen werden als große Motivation empfunden.

MW: Sollten zunächst Angehörige/ Partner vorsprechen, um einen Online-Kurs anzubahnen?

Selfapy: Das ist auf jeden Fall eine Option, und es kommt auch immer wieder vor, dass unsere Psychologen mit Angehörigen sprechen, die sich nach Möglichkeiten umhören, einer nahestehenden Person zu helfen. Wir geben den Angehörigen dann alle nötigen Informationen über Selfapy und haben auch schon direkt Gesprächstermine für die depressiv erkrankte Person ausgemacht.

Für Angehörige von Essgestörten haben wir vor kurzem sogar einen eigenen Kurs entwickelt. Bei diesem Störungsbild leiden Angehörige, insbesondere Mütter, oft stark selbst mit und brauchen Unterstützung.

Kati Bermbach (l.) und Nora Blum bei einem ihrer monatlichen Meetings.Kati Bermbach (l.) und Nora Blum bei einem ihrer monatlichen Meetings.

Eine ernste Krankheit, die auch geheilt werden kann

MW: Was ist der wichtigste erste Schritt, wenn ein Mensch depressiv ist, um ihn vielleicht aus seinem Dauertief  zu holen?

Selfapy: Die Depression als ernste Krankheit anzuerkennen - die auch geheilt werden kann. Während einer depressiven Phase glauben Betroffene oft, dass sich nichts an ihrem Zustand ändern wird. Es gilt also einem depressiven Menschen zu zeigen, dass es sehr wohl einen Weg aus dem Tief gibt und dass wir ihn dabei unterstützen diesen Weg zu gehen. Dabei sollte jedoch kein Druck aufgebaut werden.

MW: Neun Wochen Kurs, beratende Telefongespräche, Chats – wann ist der Klient geheilt?

Selfapy: Das lässt sich so pauschal nicht beantworten. Bei jedem Menschen verlaufen Depression und ihre Genesung anders. Einige verspüren schon nach den ersten 1-2 Wochen eine Linderung ihrer Symptomatik, andere erst gegen Ende des Kurses. Viele brauchen noch weitere Monate, manche Jahre, bis ihre Symptome abgeklungen sind.

Viele Kursteilnehmer starten noch während ihrer Zeit bei Selfapy oder direkt danach eine ambulante Psychotherapie, was wir als Idealfall sehen. Denn unsere ursprüngliche Idee war, dass mit Selfapy die Wartezeit auf einen Therapieplatz sinnvoll überbrückt werden kann.

MW: Nach welchen Kriterien bemessen Sie den Erfolg?

Selfapy: Wir nutzen im Kurs den PHQ-9 Patientenfragebogen, ein gängiges Instrument zum Erfassen der depressiven Symptomatik. Alle zwei Wochen füllen unsere Kursteilnehmer diesen Fragebogen aus und erhalten auch selbst Einblick in die Daten und den Verlauf ihrer Depression bzw. Genesung. Während einer Studie vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) konnten wir zeigen, dass wir im begleiteten Programm eine 35Prozent Symptomreduktion gemessen an dem PHQ-9 Patientenfragebogen erzielen können. Das heißt, dass der Schweregrad der Depression während der Online Therapie sinkt. Das ist die “wissenschaftliche” Seite. Auf “menschlicher” Seite findet sich das Feedback der Kursteilnehmer, die berichten, wie viel besser es ihnen geht. - Auch sehen wir es als Erfolg, wenn jemand nach Selfapy eine Psychotherapie anfängt (siehe oben).

MW: Wie hoch ist derzeit etwa der Prozentsatz erfolgreicher Behandlungen?

Selfapy: Wir sehen bei über 80 Prozent der Teilnehmer einen erfolgreichen Verlauf der Symptomatik.

Hilfe, um die Depressionsspirale umzukehren

MW: Wie würden Sie selbst einschätzen, was den Menschen, die Ihre Hilfe suchen, am meisten nützt und hilft?

Selfapy: Durch Selfapy kommt etwas mehr Struktur in ihren Alltag. Wir helfen den Kursteilnehmern  dabei, vermehrt positive Aktivitäten zu planen. Diese positiven Handlungen wirken sich dann positiv auf ihre Gedanken und Gefühle aus, was wiederum dabei hilft die Depressionsspirale umzukehren.

So individuell wie jeder Mensch aber ist, hilft auch jedem etwas anderes besser: Bei manchen sind das unsere Achtsamkeitsübungen, anderen hilft besonders Sport, wieder andere profitieren vor allem von einer Stärkung ihres Selbstbewusstseins. All dies sind Bereiche, die in unserem Kurs behandelt werden.

Die Psychologinnen Kati Bermbach (l.) und Nora Blum beim Telefonieren und Skypen mit Nutzern von Selfapy.Die Psychologinnen Kati Bermbach (l.) und Nora Blum beim Telefonieren und Skypen mit Nutzern von Selfapy.

MW: Wie sehen Sie die Vorteile und ggf. die Nachteile im Verhältnis Ihres Verfahrens zu dem des klassischen Therapeuten mit der Couch im Behandlungszimmer?

Selfapy: Einen der Vorteile haben wir bereits genannt: Selfapy kann sehr flexibel gestartet werden und bietet Soforthilfe. Das heißt, es gibt keine langen Wartezeiten - denn, in Deutschland beträgt die Wartezeit auf einen Therapieplatz durchschnittlich 3-6 Monate.

Oftmals haben Depressive nicht nur keine Kraft, zu einem Arzt oder Therapeuten zu gehen, sondern empfinden auch Scham. Bei Selfapy können sie anonym Hilfe bekommen. Zudem fällt es einigen Menschen leichter sich am Telefon oder im Chat mit unseren Psychologen zu öffnen als “face to face”.

Für andere kann das natürlich auch ein Nachteil sein, da ihnen evtl. die persönliche Beziehung fehlt, die im Behandlungszimmer aufgebaut werden kann. Auch kann ein Therapeut sehr viel intensiver auf die individuellen Probleme und Bedürfnisse seines Patienten eingehen, als es unseren Psychologen in den wöchentlichen Kursgesprächen möglich ist. Studien zeigen jedoch, dass die Bindung zum Therapeuten nicht allein ausschlaggebend für den Erfolg der Behandlung ist.

Wer bei Depression die Kosten einer Selbsttherapie trägt

MW: Welche Kosten entstehen bei einer durchschnittlichen Selfapy-Therapie?

Selfapy: Unsere 9-Wochen-Kurse mit psychologischer Begleitung (sprich: mit 10 wöchentlichen Psychologen-Gesprächen) kosten aktuell 179,90 Euro. Es ist außerdem möglich, die Kurse ohne psychologische Begleitung zu machen. Hier liegt der Preis bei 79,90 Euro. Und wenn sich jemand den Kurs nicht leisten kann, finden wir eigentlich immer eine Lösung und geben oft reduzierte Preise. Zudem gibt es eine Geld-Zurück-Garantie falls jemandem das Angebot nicht hilft.

MW: Welche Kassen übernehmen bereits die Kosten?

Selfapy: Die meisten gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten unseres Stresspräventionskurses. Dieser trägt auch das offizielle Gütesiegel der “Zentralen Prüfstelle Prävention”. Die Kosten des Depressionskurses und der anderen Kurse werden leider noch nicht von den Krankenkassen erstattet. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das zu ändern.

MW: Welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein?

Selfapy: Der Kursteilnehmer muss mindestens 8 der 9 Wochenmodule des Stresskurses bearbeitet haben, um die Erstattung bei der Krankenkasse zu beantragen.

MW: Wie wird abgerechnet – auf Krankenschein oder durch Vorkasse?

Selfapy: Durch Vorkasse.

MW: Wieviel müssen Patienten, die Ihre Hilfe in Anspruch nehmen, evtl. noch selbst bezahlen?

Selfapy: Das variiert: die verschiedenen Krankenkassen übernehmen zwischen 60 und 100  Prozent der Kurskosten zur Prävention.

Selbsttherapie als Ergänzung zur klassischen Psychotherapie

MW: Sind Selbsthilfe-Kurse die Zukunft psychotherapeutischer Behandlung?

Selfapy: Wir glauben, dass sie kein Ersatz für eine Psychotherapie sind oder sein sollten, sondern eine Ergänzung. Dabei geht es vor allem darum, jedem Menschen, der Hilfe sucht und benötigt, Hilfe anbieten zu können. Aktuell gibt es in Deutschland viel zu viele Menschen mit Depressionen, Angststörungen, Essstörungen und anderen psychischen Erkrankungen, die keine Hilfe bekommen, einfach aus dem Grund, dass es gerade keinen freien Therapieplatz gibt.

Selfapy: Haben Sie schon Konkurrenz?
Es gibt einige ähnliche Online-Programme, jedoch unterscheidet sich Selfapy von den meisten in einem wichtigen Aspekt: Wir bieten persönliche Gespräche mit Psychologen an.

MW: Gibt es auch „schwarze Schafe“ in diesem Gewerbe?

Selfapy: Die gibt es wahrscheinlich leider immer. Glücklicherweise hat vor Kurzem der Psychologenverband Qualitätskriterien für Online Angebote veröffentlicht, an denen man sich orientieren kann. Man sollte bei der Wahl eines Programmes immer darauf achten, dass dessen Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen wurde. Außerdem sollte der Datenschutz gegeben sein. Wichtig auch: Ein Online-Therapeut, der jemanden mit einer schweren Depression und akuter Suizidalität in Behandlung nimmt, ist nicht seriös. sondern handelt äußerst fahrlässig. In diesen Fällen sollte immer eine ambulante oder stationäre Therapie erfolgen.

Wie man eine Depression erkennt

Eine Depression muss eindeutig von normalen Stimmungsschwankungen unterschieden werden. Daher sollte man darauf achten, ob eine allgemeine Antriebslosigkeit, tiefe Unlust allem gegenüber, der Widerwille gegen Interessen, die man früher mit Freude betrieben hatte, mindestens zwei Wochen oder länger andauern. Wenn das Tief über diesen Zeitraum hinaus besteht und kein Ende in Sicht ist, müssen die Alarmglocken schrillen. Denn sogenannte eingetrübte oder eingeengte Stimmungen, die so lange anhalten und nicht mehr verschwinden, sind deutliche Symptome für eine Depression. Patienten haben das Empfinden, es gibt eigentlich nichts mehr, wofür es sich auch nur im Geringsten lohne, sich zu interessieren.  Es kommt keine Freude mehr auf, ja noch nicht einmal richtige Trauer. Die Depression ist geprägt von anhaltender Lustlosigkeit und einem immer wiederkehrenden Gefühl innerer Leere und Gleichgültigkeit. Der Name Depression kommt aus dem Lateinischen. Dort steht das Wort deprimere für niederdrücken.

Ohne Hilfe drohen im schlimmsten Fall Verwahrlosung und Suizid

Bei einer ausgeprägten Depression können Menschen zunehmend jeglichen Antrieb für irgendwas verlieren.  Das geht soweit, dass Waschen, Zähneputzen und jegliche Art von Körperpflege, aber auch Kochen, Einkaufen, Abwasch und die Instandhaltung der Wohnung, der Wäsche, oft auch der Kinder oder der Haustiere völlig vernachlässigt werden. Es droht Verwahrlosung.

Folgen einer Depression sind oft auch durch eine Sucht nach „anderer Ernährung“ gekennzeichnet, die sich bis zur Hypochondrie steigern kann,  oder auch zu Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und sogar sexueller Unlust führt. Depressionen sind nicht selten gekennzeichnet durch  ein „Abendtief“, welches das Einschlafen empfindlich stört und ein „Morgentief“, das den heraufziehenden Tag fürchtet und oft den ganzen Vormittag anhält.

Diese anhaltende Antriebslosigkeit und deren Folgen führen zu einem verminderten Selbstwertgefühl und dem Verlust jeglichen Selbstvertrauens. In „lichten Momenten“ stellen sich auch noch Schuldgefühle ein. Die Betroffenen fühlen sich weitgehend oder völlig wertlos. Das ist die Situation, in der die Gedanken an den Tod aufkommen.

Manche schwere Depression kann weder durch den Zuspruch nahestehender Menschen, enger Partner und oft auch nicht durch ein noch so ausgeklügeltes Einwirken von Therapeuten aufgehellt werden – in schwersten Fällen niemals mehr. Da ist das Ende dann abzusehen.

Die Schizophrenie ist unter den psychischen Erkrankungen die schwerste. An ihr sind rund 800.000 Personen in Deutschland erkrankt. Selbstmord verüben rund 15 Prozent der Betroffenen. Die Selbstmordversuchsrate liegt bei fast 60 Prozent. Die meisten Suizidversuche werden von Frauen unternommen

Aber zum Glück verlaufen die meisten Depressionen nicht so schwer und endgültig. Nur Depressionen, die völlig therapieresistent sind, können aus dem tiefen Grübeln und der Dauer-Schwermut auch durch intensive Betreuung und durch die Gabe von antidepressiv wirkenden Medikamenten nicht wieder herausgeführt werden. Die große Mehrzahl von depressiven Erkrankungen können  geheilt oder doch zumindest sehr stark gelindert werden. Wichtig ist, dass frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch genommen wird. Und hierzu kann das Selfapy-Konzept ein ganz wichtiger Einstieg sein

Ursachen für Depressionen – kann man sie vermeiden?

Die Antwort lautet: Nicht wirklich. Eine genaue Ursache ist nicht bekannt. Auch bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist man letztlich ratlos. Allerdings werden von Ärzten und Therapeuten eine ganze Reihe möglicher Auslöser für eine Depression genannt. Dazu zählen:

  • Eine erbliche Veranlagung zu Schwermut und Verzweiflung, die sich irgendwann einfach Bahn bricht.
  • Traumatische Erlebnisse in der Kindheit, wie z. B. Missbrauch.
  • Der Verlust eines langjährigen geliebten Partners oder Kindes, der plötzlich alles sinnlos erscheinen lässt, was bisher Bedeutung hatte.
  • Ständiger, jahrelanger Stress im Beruf oder in einer Beziehung, der irgendwann nicht mehr ertragen wird und in die tiefe Niedergeschlagenheit einer Depression mündet.
  • Schwere chronische Krankheiten.
  • Erkrankungen wie Schlaganfall, Krebs oder eine Schilddrüsenunterfunktion.
  • Schlaflosigkeit.
  • Andauernde Alkohol-, Tabletten- oder Drogenabhängigkeit.
  • Hormonelle Veränderungen  zum Beispiel in der Memopause oder in einer Midlife-Crisis.

Man kann also davon ausgehen, dass im Prinzip jeder Opfer einer Depression werden kann. Immer wieder wird bekannt, dass sogar erfolgreiche Schauspieler, Sportler, ja sogar Ärzte von tiefen Depressionen heimgesucht werden.

„Die wilde Schwermut, die uns bei der Erinnerung an Zeiten des Glückes ergreift“

Depressionen sind vermutlich so alt wie die Menschheit, auch wenn man sie in früheren Jahrhunderten oder Jahrtausenden nicht so genannt hat. Aber den existentiellen Schmerz und die tödliche Schwermut kannten viele Generationen vor uns auch zur Genüge.

Dante Alighieri, der florentinische Schriftsteller, Dichter und Philosoph (1265 bis 1321) lässt in seiner Göttlichen Komödie („Die Commedia“) die unglücklich liebende Francesca da Polenta sagen: „Es gibt keinen größeren Schmerz, als sich in der Not an die Zeit zu erinnern, in der wir glücklich waren.“

Dieses furchtbare Gefühl des endgültigen Verlustes, ist vielen Menschen vertraut. Der deutsche Offizier und Schriftsteller („In Stahlgewittern“) Ernst Jünger schieb in seinem Roman „Auf den Marmorklippen“  genau diese Empfindung der Danteschen Francesca rund 1000 Jahre später in deutscher Diktion nieder: „Ihr alle kennt die wilde Schwermut, die uns bei der Erinnerung an Zeiten des Glückes ergreift. Wie unwiderruflich sind sie doch dahin, und unbarmherziger sind wir von ihnen getrennt als durch alle Entfernungen.“

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