Mitochondrien und Alzheimer: wird die Demenz heilbar?

Eine vor Milliarden von Jahren in die Zellen von uns Eukaryoten eingewanderte Bakteriengattung, die dort bis heute als Kraftwerk arbeitet, garantiert unser Leben. Aus Eukaryotenzellen sind Mensch, Tier und Pflanze aufgebaut. Hier arbeiten die Ex-Bakterien, die wir als Mitochondrien bezeichnen, und liefern jeder der Billionen Zellen des Organismus  die Energie zum Leben.

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Mitochondrien und Alzheimer: Wo sind die Zusammenhänge zu suchen? Nachdem alle bisherigen Ansätze für Strategien gegen Alzheimer im Prinzip erfolglos waren, wurden jetzt Hinweise dafür gefunden, dass bei Demenzkranken die Funktion der Mitochondrien gestört ist. Durch Defekte in den Proteinkomplexen der Mitochondrien werde viel weniger der Lebensenergie des hochenergetischen Moleküls Adenosintriphosphat (ATP) produziert als für eine optimale Hirnfunktion nötig wäre. Dafür gibt es keinen Ersatz.

Mitochondrien und Alzheimer: Hohe Stoffwechselaktiviät erschöpft

Die gesamte Energieversorgung des Körpers ist allein Sache der Mitochondrien. Wenn sie für die Billionen Zellen nicht mehr genügend ATP liefern, sind Schäden programmiert. Natürlich ist auch die Energieversorgung des Gehirns Sache der Mitochondrien, genau wie die der Muskulatur und des Stoffwechsels. Die Energieversorgung des Gehirns erfolgt in Tausenden von Minikraftwerken in jeder einzelnen Gehirnzelle. Sobald dort Störungen auftreten, beginnt die Entstehung von Alzheimer. Prof. Konrad Beyreuther, Gründungsdirektor des Netzwerkes AlternsfoRschung (NAR), Wissenschaftler der Universität Heidelberg, erklärte gegenüber Medizin-Welt.: „Mitochondrien altern, da sie aufgrund ihrer hohen Stoffwechselaktivität ihr Genom mit den dabei freigesetzten aggressiven Sauerstoffmolekülen (Radikalen) permanent schädigen. Die metabolisch besonders aktiven Bereiche des Gehirns (default memory) sind auch die ersten Bereiche, die bei der Entstehung der Alzheimer Krankheit Defizite entwickeln.“ Beyreuther bestätigt damit Veröffentlichungen der deutschen Hirnliga und Aussagen von Mitochondrienforschern aus jüngerer Zeit.

Mitochondrien und Alzheimer: Viel zu lange standen Ablagerungen im Gehirn in Verdacht

Jahrzehnte lang hatten sich die therapeutischen Bemühungen bei der Alzheimer-Demenz (DAT) auf die Ablagerungen von Beta-Amyloid in Gehirn und Blutgefäßen von Alzheimerkranken konzentriert.  Doch durch keinen der Versuche solche Ablagerungen zu stoppen, ließ sich das Krankheitsgeschehen der Demenz wirklich beeinflussen. Jetzt wurde erkannt, dass der früher kaum beachtete Aspekt der Mitochondrien-Alterung von viel größerer Bedeutung ist.

Nachdem alle bisherigen Ansätze für Strategien gegen Alzheimer im Prinzip erfolglos waren, wurden jetzt Hinweise dafür gefunden, dass bei Demenzkranken die Funktion der Atmungskette in den Mitochondrien gestört ist. Inzwischen haben weltweit Wissenschaftler die fieberhafte Suche nach der Funktion und dem Erbmechanismus dieser mikroskopisch kleinen Kraftwerke aufgenommen, die allein unsere Lebensenergie herstellen können. Wenn sie abbauen, wenn ihre Funktion nachlässt, sind auch die Gehirnzellen nicht mehr in der Lage normal zu arbeiten. Die Alzheimer-Demenz ist eine der schlimmsten Folgen dieser Entwicklung. Nachdem dieser Mechanismus bekannt ist,  schließen Experten nicht mehr aus, dass auf dem Weg der Mitochondrien-Reparatur oder Mitochondrien-Medizin die Demenz eines Tages einzudämmen ist oder sogar heilbar wird.

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