Mitochondrien-Krankheiten entscheiden über Leben und Tod

Unser menschliches Gehirn macht gerade mal zwei Prozent des Körpergewichts aus, aber sein Energiebedarf  beträgt 20 Prozent des gesamten Umsatzes an Energie im Körper. Wenn Mitochondrien-Krankheiten vorliegen, zum Beispiel Störungen in mitochondrialen Atmungsketten von Hirnzellen, sind die Folgen entsprechend gravierend, und es kommt zu schweren Störungen im Organismus. Eine davon ist beispielsweise die unter dem Namen Parkinsonkrankheit bekannte Bewegungsstörung. Sie hat ihre Ursache darin, dass Mitochondrien-Krankheiten die Mitochondrien der Zellen lahmlegen. Dadurch kommt es zu schweren Störungen bei der Produktion  des Lebenselixiers Adenosintriphosphat (ATP). Es entsteht eine Energie-Unterversorgung mit der Folge von absterbenden Nervenzellen.

Das Buch zu Mitochondrien und Gesundheit: Neben Ich: Wieviele sind wir wirklich?

Die Folgen der Mitochondrien-Krankheiten sind Symptome wie Schüttellähmungen, unsicherer Gang, verlangsamte Bewegungen bis hin zu Muskelstarre und völliger Bewegungsunfähigkeit. Man hat zwar schon Medikamente zur „Stärkung der Mitochondrien“ entwickelt, da es sich aber um Gendefekte in den Mitochondrien  handelt, durch die die ATP-Produktion gestört wird, sind die Erfolge bei Parkinson eher bescheiden.

Mitochondrien-Krankheiten: verantwortlich für die Alterung des Organismus

Mitochondrien spielen auch für die Aufrechterhaltung der Insulinfreisetzung in den Zellen eine bedeutende Rolle. Diese ist bei der Krankheit Diabetes mellitus gestört. Daher gelten Mitochondrien auch bei diesem chronischen Leiden als Auslöser. Sie sind nach neuen Erkenntnissen eine zentrale Ursache für die Insulinresistenz und den gestörten Zuckerstoffwechsel.

Besonders das Altern und der irgendwann eintretende Tod  haben ihre  Ursachen letztlich in unseren Billiarden Mitochondrien, die im Innern der Körperzellen die Lebensenergie produzieren, aber irgendwann krank und erschöpft sind. Über die Bedeutung der Mitochondrien-Krankheiten für das Altern schrieb der vielfach ausgezeichnete österreichische Biochemiker Gottfried Schatz, Mitochondrien hätten über die Jahrzehnte eines Lebens durch angehäufte Mutationen „immer mehr Mühe, die von ihrem Erbmaterial programmierten dreizehn Proteine der Verbrennungsmaschine zu bilden“. Daher lieferten sie den Zellen „immer weniger Energie“. In Ich-Form erklärt er: „Die schädlichen Nebeneffekte meiner bereits etwas keuchenden Zellatmung sind wahrscheinlich daran mitschuldig, dass nicht nur meine Mitochondrien, sondern auch mein ganzer Körper altert. Sollte ich das Glück – oder Unglück – haben, neunzig Jahre alt zu werden, dann wird jede meiner Muskelzellen mit bis zu zehnmal weniger Energie auskommen müssen als in meiner Jugend. Die trübsten Aussichten haben jedoch mein Gehirn und dessen Ausstülpung nach außen – die Netzhaut meiner Augen. Da die Zellen dieser beiden Gewebe besonders intensiv atmen, bekommen sie die Unvollkommenheit meiner Mitochondrien mit voller Wucht zu spüren und sind deshalb stärker vom Altern bedroht als andere Gewebe meines Körpers. Parkinsonkrankheit, Alzheimerkrankheit, Degeneration der Netzhaut – für alle diese furchterregenden Alterskrankheiten dürften chemische Funken aus geschädigten Mitochondrien mit verantwortlich sein.“ (Gottfried Schatz ist einer der führenden Erforscher der Mitochondrien. Er hat u. a. die eigene DNA der Zellkraftwerke entdeckt).

Mitochondrien-Krankheiten: Wenn die Lebensenergie erlischt

Unser Organismus fühlt sich warm an, weil im Inneren jeder Körperzelle Dutzende, Hunderte oder sogar Tausende von Mitochondrien die von uns verzehrte Nahrung verbrennen. Wenn Mitochondrien-Krankheiten  die Funktion der Mitochondrien beeinträchtigen, beginnen wir zu frieren. Auch im Alter ist das deutlich zu spüren. Alte Menschen sind wärmebedürftig und frösteln oft sogar in beheizten Räumen, haben kalte Füße und Hände. Das liegt an mangelnder Durchblutung aber vor allem auch an Krankheit und Tod der Mitochondrien. Am Ende, wenn die Billiarden Mitochondrien durch Mitochondrien-Krankheiten, durch Organversagen oder Hirntod aufhören Energie zu erzeugen, erkaltet der Körper und es setzt die Totenstarre ein.

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