Magen-Darm-Virus: Noroviren und Rotaviren haben wieder Saison

Magen-Darm-Virus: Noroviren und Rotaviren haben wieder Saison

In den Wintermonaten infizieren sich Menschen gehäuft mit Noroviren und den damit verwandten Rotaviren. Durch Infektionsübertragung in Menschenansammlungen oder durch infiziertes Essen können die Viren wahre Epidemien von Magen-Darm-Grippe auslösen.

Noroviren sind unsichtbar und nicht fähig, allein zu existieren. Dafür brauchen sie uns Menschen. Aber wenn wir uns mit den Noroviren einlassen, bzw. sie sich mit uns, sind Beschwerden der übelsten Sorte die Folge: Urplötzliches eruptives, schwallartiges Erbrechen begleitet von heftigem Durchfall. Auch Bauch- und Kopfschmerzen treten auf, in seltenen Fällen kommt Fieber hinzu. Noroviren lösen eine Magen-Darm-Grippe aus.

Umgangssprachlich reden die, die es mitden Noroviren erwischt hat, meist davon, dass sie unter Brechdurchfall oder Magen-Darm-Grippe leiden. Medizinisch ausgedrückt handelt es sich um Gastroenteritis oder schlicht um eine Virusinfektion der Verdauungsorgane. Verursacher dieser Krankheitssymptome sind in aller Regel Noroviren oder auch die verwandten Rotaviren.

Noroviren haben nur einen Wirt: den Menschen. An uns sind die Noroviren angepasst. Nur in uns entwickeln sich Noroviren und Rotaviren und von uns werden sie auch weitergereicht. Diplom-Biologin Susanne Glasmacher, Sprecherin des Berliner Robert Koch-Instituts, sagt dazu gegenüber Medizin-Welt: „Rotaviren und Noroviren werden ‚fäkal-oral‘ übertragen, das bedeutet, dass mit dem Stuhl (fäkal) ausgeschiedene Erreger über den Mund (oral) aufgenommen werden. Solche Erreger gelangen vor allem über die Hände an den Mund, daher ist generell regelmäßiges Händewaschen sinnvoll, um das Erkrankungsrisiko von Magen-Darm-Grippe zu verringern.“

Auch durch Erbrochenes werden die Noroviren weiter verbreitet. Wenn die Patienten mit Brechdurchfall oder Magen-Darm-Grippe sich heftig übergeben, fliegen Tröpfchen durch die Luft, wie bei Niesattacken. Wer die Tröpfchen einatmet, steckt sich an. Auch was davon getroffen wird, kann die Infektion mit Noroviren weiter verbreiten: Geschirr, Trinkgläser, Speisen, Getränke, Besteck, Wäsche usw. Die Hauptübertragung der Noroviren und auch der Rotaviren findet aber über die Hände statt. Um diesen Ansteckungsweg einzudämmen, veröffentlicht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung entsprechende Informationsmaterialien. Die wichtigsten Regeln zum Schutz vor Noroviren und Rotaviren lauten: - Hände unter fließendes Wasser halten - Seife 20 bis 30 Sekunden in den Händen verreiben - Auch zwischen den Fingern - Dann gründlich abspülen - Sorgfältig abtrocknen.

Magen-Darm-Grippe durch Noroviren: Erwachsene Kranke sind erschöpft, Kinder total apathisch

Jedes Jahr in den Monaten November bis April, ganz besonders in den ersten Monaten eines Jahres, sind die Noroviren und Rotaviren besonders aktiv. Das Norovirus befällt meist Erwachsene. Rotaviren hingegen sind die am stärksten verbreitete Ursache für Magen-Darm-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern.

Patienten dieser Altersgruppe, die mit Noroviren oder Rotaviren infiziert sind, müssen zur Behandlung sogar häufig in ein Krankenhaus verlegt werden. Denn die schweren Brechdurchfälle und die Symptome der Magen-Darm-Grippe sind gerade für Kinder – das gleiche gilt  auch für ältere Menschen – besonders  gefährlich.  Das Risiko, an einer Infektion  mit den Noroviren oder Rotaviren zu sterben, ist allerdings in unseren Breiten wegen der guten medizinischen Versorgung einschließlich der genannten klinischen Versorgung nur gering.

Auch wenn die Noroviren nur selten lebensbedrohliche Folgen haben, so sind sie doch extrem belastend. Das subjektive Krankheitsgefühl ist durch die Magen-Darm-Grippe und den Brechdurchfall stark ausgeprägt. Die Patienten sind erschöpft, absolut fertig. Kinder reagieren häufig völlig apathisch.

Hitze und Kälte töten die Noroviren nicht

Die weit verbreiteten Noroviren sind überaus resistent und extrem ansteckend. Auf kontaminierten Teppichböden konnten Noroviren noch nach fast zwei Wochen als ansteckungsfähig nachgewiesen werden. Selbst Hitze oder Kälte können das Norovirus nicht abtöten. Es überlebt Temperaturen von minus 20 Grad und Hitze bis zu 60 Grad Celsius. Die Inkubationszeit von der Übertragung der Noroviren bis zum Ausbruch der Symptome beträgt meistens 24, höchstens 48 Stunden. Seit einigen Jahren besteht eine Meldepflicht beim Ausbruch der Krankheit, die vom Laborarzt wahrgenommen werden muss, wenn das Virus in einer Patientenprobe nachgewiesen wird.

Gegenmittel gegen Noroviren gibt es so gut wie keine. Die Noroviren können ihre Fähigkeiten variieren und immer wieder mit anderen Eigenschaften in Erscheinung treten. Noroviren sind, so Susanne Glasmacher gegenüber Medizin-Welt, in der Lage „ihr genetisches Material durch Neumischung oder Rekombination bei gleichzeitiger Infektion mit zwei Virus-Genotypen in einem Wirt und durch Ansammlung von Mutationen zu verändern.“ Dadurch komme es ständig zum Auftreten neuer Virusvarianten. Bei Noroviren trete seit einigen Jahren ein bestimmter Genotyp (II.4) auf. „Wenn dieser Genotyp unter den zirkulierenden Noroviren der vorherrschende ist“, erläutert Susanne Glasmacher, „dann verlaufen die Noroviruswellen - nicht die einzelne Erkrankung- schwerer.“

Die Tatsache, dass die Viren häufig mutieren, macht es auch schwer, vorbeugend etwas zu tun. Für die Betreuer von Norovirus-Patienten mit Brechdurchfall oder Magen-Darm-Grippe hat das Robert Koch-Institut in seinem Epidemiologischen Bulletin wichtige Hinweise veröffentlicht.

Über die Arbeiten an einer Norovirus-Impfung hat der „Arzneimittelbrief – unabhängige Arzneimittelinformationen“ schon in seiner Ausgabe vom Oktober 2012 berichtet. Dort heißt es unter anderem: „Die Herstellung eines Impfstoffs gegen Noroviren ist dadurch erschwert, dass das Virus bisher nicht auf Zellkulturen etabliert werden konnte und auch kein geeignetes Tiermodell zur Verfügung steht.“

Kinder können gegen Noroviren und Rotaviren geimpft werden

Gegen die häufigste Darmerkrankung von Säuglingen und Kindern durch Rotaviren gibt es einen Impfstoff. Die Sprecherin des Robert Koch-Instituts, Susanne Glasmacher, gibt dazu die folgende Auskunft: „Derzeit wird die Impfung gegen Rotaviren im Säuglingsalter von der Ständigen Impfkommission (STIKO) nicht empfohlen. Die STIKO hat in einer „Frage und Antwort“ (FAQ) betont, dass die Impfung junger Säuglinge entsprechend einer individuellen Risiko-Nutzen-Abwägung sinnvoll sein kann. Die Wirksamkeit (Effektivität) beider Rotavirusimpfstoffe ist hoch. In den Zulassungsstudien (> 130.000 Studienteilnehmer) konnte für die Verhinderung einer schweren Rotaviruserkrankung eine Effektivität von 96–98 Prozent nachgewiesen werden. Es gibt aber keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission zu Rotaviren. Die Stellungnahme und die FAQ der STIKO finden Sie hier.

Elftausend Menschen wurden in gut 14 Tagen von Noroviren befallen

Wegen der hohen Ansteckungsgefahr breitet sich das Norovirus immer wieder vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen aus, wie zum Beispiel in Kinderbetreuungseinrichtungen, Alten- und Pflegeheimen. Der bislang größte Gastroenteritis-Ausbruch  durch Noroviren ereignete sich zwischen dem 19. September und dem 7. Oktober 2012 in fünf ostdeutschen Bundesländern. Mehr als elftausend Kinder, Jugendliche und Angehörige des Betreuungspersonals in Schulen und Kindertagesstätten erkrankten an der Virusinfektion. Übertragen wurden die Erreger durch  eine Charge Tiefkühlerdbeeren aus China, die mit Noroviren verseucht war. Im Klartext: An den Früchten waren Fäkalien, Kot, der wahrscheinlich durch ungewaschene Hände schon in China an die Erdbeeren gelangt war.

Auf einem der drei größten Kreuzfahrtschiffe der Welt, der „Freedom of the Seas“, verbrachten vor einigen Jahren 338 Passagiere und 42 Besatzungsmitglieder den größten Teil des Tages über der Toilettenschüssel, anstatt den Blick auf die blaue karibische See zu genießen. Bei einem Landaufenthalt waren vermutlich Fahrgäste oder Schiffspersonal mit Noroviren angesteckt worden. Auf dem Schiff, wo die Menschen eng zusammenwohnen, verbreiteten sich die Noroviren wie ein Lauffeuer. Niemand blieb von Brechdurchfall und Magen-Darm-Grippe verschont..

Noroviren und Rotaviren: die gefährlichsten Darmviren des Winters

Bislang gibt es also keine echte Therapie gegen die Noroviren und Rotaviren. Es ist kein Medikament gegen die Viren selbst vorhanden.  Um die Ausbreitung von Noroviren zu verhindern, hilft nur penibelste Sauberkeit und Hygiene.

Gastroenteritis-Patienten verlieren durch die Brechdurchfälle viel Flüssigkeit. Diese muss unbedingt ersetzt werden, damit die  Erkrankten nicht dehydrieren, nicht austrocknen. Besonders bei alten Menschen und Kindern muss für ausreichende Flüssigkeitszufuhr gesorgt werden, wenn diese nicht selbst dazu in der Lage sind. Durch Elektrolytlösungen können die großen Wasser- und Mineralstoffverluste ausgeglichen werden.

Älteren und geschwächten Menschen, sowie Kindern wird empfohlen, bis zum Abklingen der Symptome der Brechdurchfälle und der Magen-Darm-Grippe - meist nach zwei Tagen - das Bett zu hüten und sich mit Schonkost wie Zwieback, Salzstangen, Tee und magerer Brühe zu ernähren. Obstsäfte, Kaffee oder Milch sollte man meiden. Besteht der Verdacht einer Infektion mit Noroviren, sollten gefährdete Personen auf jeden Fall umgehend ihren Hausarzt konsultieren.

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