Wenn der Kürbis giftig wird

Wenn der Kürbis giftig wird

Landauf, landab reifen Kürbisse in den Gärten heran. Man kann aus Kürbisfrüchten vielerlei schmackhafte Speisen zubereiten. Die Heilwirkung des Kürbis bei Blasenbeschwerden und Prostataleiden ist bekannt. Kürbisse helfen außerdem bei Parasitenbefall, vor allem gegen Würmer, und wirken dem lästigen Schwangerschaftserbrechen entgegen. Prof. Dr. Andreas Merkenschlager von der Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche der Universität Leipzig aber warnt jetzt: „Alle Früchte, selbst so harmlos aussehende wie die der Kürbispflanzen, haben manchmal durchaus ihre Tücken.“

Die Früchte der Kürbisgewächse können demnach Cucurbitacine enthalten. Dadurch wird der Kürbis giftig. Das führt oft zu schweren Verdauungsstörungen. Laut Prof. Merkenschlager verursachen giftige Kürbisse „in schwereren Fällen teilweise blutigen Durchfall mit Kolikschmerzen, einen starken Speichelfluss, gelegentlich verbunden mit Herzrasen und Kopfschmerzen.“ In solchen Fällen müsse sofort ein Arzt aufgesucht werden, der „mit einer Magenspülung, der Gabe von Kohle und gegebenenfalls Infusionen“ helfen könne.

Der Kürbis kann giftig sein - bittere Früchte nicht verzehren

Durch einfaches Verkosten ließen sich jedoch giftige Cucurbitacine in Kürbisfrüchten erkennen. Ein bitterer Geschmack des Kürbis signalisiere stets Gefahr. Diesen Geschmackstest sollte, wie Merkenschlager empfiehlt, „unbedingt ein Erwachsener machen, weil Kinder die einzelnen Geschmacksrichtungen noch nicht so sicher unterscheiden können.“ Gekostet sollten Kürbisse außerdem vor dem Kochen werden, denn die Gewürzzugaben könnten den Geschmack beeinflussen. Merkenschlager: „Wenn das Stück Kürbisfleisch oder das Ende der Gurke oder der Zucchini bitter schmeckt - sofort ausspucken und die ganze Frucht wegwerfen. Nur einwandfrei schmeckende Kürbisfrüchte genießen.“

Zur Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae), gehört nicht nur der große Speisekürbis, sondern beispielsweise auch die Zucchini und die Gurke. Verwandte sind außerdem die Zierkürbisse, die Gruppe der Halloweenkürbisse und die Melonen. Durch neue Züchtungen wird die Kürbisfamilie immer größer.

Zur Frage, ob Kürbisse wirklich gefährliche Früchte sind, sagt Dr. Matthias Karl Bernhard von der Leipziger Uni-Klinik: „All diese Pflanzen können in seltenen Fällen Cucurbitacine enthalten. Diese Substanzen gehören zu den Terpenen. Das sind im Pflanzen- und Tierreich häufig vorkommende, gesättigte oder ungesättigte Kohlenwasserstoffe. Aus den kultivierten Speisekürbissen wurde diese giftige, bitter schmeckende Substanz herausgezüchtet. Bei den Zierkürbissen war dieses Kriterium unwichtig und man machte sich die Mühe nicht, so daß viele von ihnen Cucurbitacine enthalten.“

Für Kürbisfrüchte wie Speisekürbisse, Gurken und Zuccini immer einwandfreies Saatgut verwenden

Und wie kommen dann die bitteren Gifte in Spreisekürbisse, Gurken und Zuccini? Dazu Bernhard: „Da die Befruchtung über Bienen erfolgt, können Kreuzungen von Zier- mit Esskürbissen erfolgen. Nachkommen dieser Kreuzungen, sehen mitunter wie völlig normale Speisekürbisse aus - und enthalten dennoch Cucurbitacine. Auch spontane Rückmutationen können im kultivierten Kürbis plötzlich die herausgezüchteten Gifte wieder auftreten lassen.“

Pflanzenexperten empfehlen deshalb, nicht selbst Zuccini- oder Gurkensamen aus den Früchten zu entnehmen und sie im nächsten Jahr wieder auszusäen. Denn obwohl die Früchte der mit Zierkürbispollen bestäubten Blüten selbst nicht bitter und damit auch nicht giftig sind, tragen ihre Kerne in den Genen die Anlagen dafür. Wenn man diese aussät, entstehen daraus Früchte, die Cucurbitacine enthalten und damit bitter und giftig sind. Allerdings können selbst auf dem Biomarkt oder beim Discounter gekaufte Zucchini, Gurken oder Kürbisse in seltenen Fällen einmal bitter sein. Ganz gefeit ist man auch da nicht. Es empfiehlt sich daher den einfachen Zungentest in jedem Fall zu machen.

Bei entsprechender Vorsicht bestehe jedoch „kein Grund zur Panik oder gar zum völligen Kürbis-Verzicht“, versichern die Leipziger Wissenschaftler. Die positiven gesundheitlichen Wirkungen der Familie der Kürbisgewächse überwögen bei weitem.

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