Neue Aspekte der Tumorbehandlung – sensationelle Erfolge durch Individualtherapie

Die Diagnose Krebs wird immer als harter Schicksalsschlag und als Lebenstrauma empfunden. Schuld daran sind letztendlich dubiose Vorstellungen über Krebs, seine Definition sowie die schlechten Heilerfolge. Hier erfahren Sie, wie eine neue individuelle Krebstherapie die Heilungschancen dramatisch verbessern kann.

Von Dr. med. Peter Schleicher und Dorothea Brückl

Krebs, so stallte man sich bislang vor, wird ausgelöst durch krankmachende Stoffe (Noxen), Strahlen, zufällige Zellentartung bei der Vermehrung von Zellen usw. Mühsam definierte man Skalen und Einteilungen für die Bewertung dieser geheimnisvollen Krankheit und legte davon ausgehend die Intensität der Therapie fest. Trotz aller Bemühungen können jedoch kaum Erfolge im Kampf gegen Krebs erzielt werden, die Krebserkrankungen nehmen kontinuierlich zu, die Erfolge bleiben gering.

Das verwaschene, dubiose Weltbild um die Krankheit Krebs

Die rasante Forschung der Gentechnologie und der Molekularbiologie haben nun Licht in das Dunkel um die Karzinomentwicklung gebracht. Die Wissenschaft konnte bis in das Wesen der ersten Krebszelle vordringen und sogar diese differenziert entschlüsseln. So besteht heute Klarheit darüber, dass schon bei der Entstehung der ersten Tumorzelle groß angelegte Veränderungen im gesamten Organismus stattfinden, die auch messbar und bewertbar sind. Es finden in diesem ersten Stadium Umstrukturierungen in der gesamten Organisation um den Tumor und im Organismus statt. Unabhängig von der Ursache, die eine Tumorzelle hervorbringt, nutzt sie alle Mechanismen des Organismus ausschließlich zum Selbstzweck mit dem Ziel seiner Zerstörung.

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p> Wie die Strategie von Krebszellen aussieht

Um ihre zerstörerische Organisation ablaufen zu lassen, produziert bereits die erste Krebszelle an der Oberfläche gewisse Rezeptoren, mit denen sie intensiven Kontakt mit der zellulären Umwelt aufnehmen kann. Diese Rezeptoren sind vergleichbar mit Kommunikationszentralen, Fernsehsendern und Telekom-/Handymasten. Schon beginnt diese eine Zelle die Umgebung zu beeinflussen. Als erstes produziert Sie Wachstumsfaktoren.

oEinen Faktor, der eine unbegrenzte Teilungsfähigkeit der Zellen ermöglicht oEinen weiteren der die Tumorzelle vor schädlichen Radikalen schützt oEinen dritten, der das Wachstum der Tumorzelle selbst unterstützt und beschleunigt

Parallel dazu setzt die erste Tumorzelle schon zu einem gigantischen Schlag gegen das Immunsystem an. Es produziert Stoffe, die um das Tumorgeschehen herum die Immunzellen lahm legen. Jetzt ist die Basis dafür geschaffen, dass die vorher genannten Wachstumssubstanzen den Tumor in seinem unvorstellbaren Vermehrungswahn gewähren lassen.

Bei solch einem energischen Wachstum wird bald die Energie knapp. Wie derzeit in der erfolgreichen chinesischen Volkswirtschaft reichen die normalen Ressourcen nicht aus, um dieses übermäßige Wachstum zu ermöglichen. In Chinas Volkswirtschaft wurde als Therapie das Wirtschaftswachstum gedrosselt.

Die Krebszelle denkt keineswegs an solche Strategien, sondern scheidet Stoffe aus, die das Gefäßwachstum zur Blutversorgung enorm steigern. Es wächst ein neues Kanalsystem das wertvolle energetische Stoffe aus dem Körper abtransportiert und in die Nähe der Tumorregion befördert, um dort das Wachstum der Tumorzelle zu ermöglichen und maximal anzukurbeln. Der Körper wird schwächer – der Tumor expandiert.

Jetzt treten immer neue Zellen aus dem sich entwickelnden Tumorverband aus und schwimmen im Gefäßsystem des Körpers, bleiben an manchen Stellen hängen, verändern sich, wandeln sich zu anderen gefährlichen Tumorzellen und verhalten sich dann genau gleich wie ihre Mutterkrebszelle.

Wenn das Immunsystem nicht mehr funktioniert

In einem gesunden Körper leben normalerweise gesunde Zellen – alle Stoffwechselvorgänge laufen optimal. Durch den täglichen enormen Zellumsatz „entarten“ immer ungefähr 1000 Zellen, die sofort korrigiert oder zerstört werden. Dieser Vorgang wird immunologisch kontrolliert. Gesundheit besteht ein Leben lang. Ab einem gewissen Zeitpunkt kann es geschehen, dass aus unbekannten oder bekannten Gründen Zellen entarten, die Immunkontrolle versagt und Tumorkrankheiten entstehen.

Bisher konnten wir in der Medizin immer erst tätig werden, wenn ein Tumorgeschehen Symptome gezeigt hat. Bestenfalls war durch Zufallsbefunde bei der Vorsorge die Aufdeckung von Tumoren möglich.

Da die molekulare und genetische Forschung riesige Fortschritte gemacht hat, ist es nun möglich, auf dieser wissenschaftlichen Basis sehr frühe Erkenntnisse zur Tumorentwicklung zu erhalten, damit auch den Therapieverlauf zu optimieren und die Prävention maximal auszubauen.

Mit diesem sensationellen Fortschritt, so belegen neue Statistiken, können anstatt bisher 20 Prozent Heilerfolge nun 75 bis 80 Prozent Heilerfolge erzielt werden. Entscheidend ist, dass alle neuen Erkenntnisse, strategisch eingesetzt und optimal zusammengefügt werden.

Bessere Tumorbehandlung durch Individualtherapie

Die neuesten epidemiologischen Daten zeigen an, dass Darmkrebs in der EU als der häufigste Tumor (vor Brustkrebs) als Krebsneuerkrankung festgestellt wird. Die neuesten Zahlen der internationalen Agency for Research on Cancer (IARC) in Lyon wurden in der Zeitschrift „Annals of Oncology“ (16, 2005, 481) veröffentlicht. Darmkrebs hat in der EU inzwischen das Bronchialkarzinom als häufigste Krebsneuerkrankung abgelöst. Bei der Mortalität führt nach wie vor Lungenkrebs mit 234.000 Toten pro Jahr. Die Krebsinzidenz ist in den vergangen 14 Jahren deutlich angestiegen, die krebsbedingte Mortalität jedoch in etwa gleich geblieben.

Die wesentlichen Ergebnisse: In den EU-Ländern erkrankten 2004 etwa zwei Millionen Menschen an Krebs, das sind etwa 453 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. 1990 lag die Inzidenz bei etwa 320 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Häufigste Krebserkrankungen 2004 waren wie gesagt der Darmkrebs (13,6 Prozent aller Krebs-Neuerkrankungen) vor Brustkrebs (13,3 Prozent) und Lungenkrebs (12,5 Prozent). 1990 war Lungenkrebs die häufigste Krebserkrankung (15,7 Prozent), gefolgt von Darmkrebs (15,3 Prozent) und Brustkrebs (14,1 Prozent).

Immer mehr Frauen sterben an Lungenkrebs

Obwohl die Krebsinzidenz deutlich gestiegen ist, hat sich die Mortalität in den vergangenen 14 Jahren kaum verändert. So starben 1990 etwa 243 Menschen pro 100.000 Einwohner an Krebs, 2004 waren es 255.

Den höchsten Anteil an der Krebsmortalität hat nach wie vor Lungenkrebs. Von den etwa 1,2 Millionen Menschen, die 2004 an Krebs starben, hatten etwa 20 Prozent Lungenkrebs, etwa 12 Prozent Darmkrebs und 7,6 Prozent hatten Brustkrebs. An diesem Verhältnis hat sich seit 1990 kaum etwas geändert.

Deutlich erhöht hat sich jedoch der Anteil der Frauen, die an Lungenkrebs starben: 1990 waren es noch 8,5 Prozent aller Frauen, die an diesem Tumor starben, 2004 bereits elf Prozent. Bei den Männern ging dieser Anteil von 28,3 Prozent 1990 auf 27,2 Prozent 2004 leicht zurück.

Die Ursachen für die zunehmende Krebsentwicklung sind nahezu dieselben, wie für erworbene Immunschwächen. Das in sich so stabile und gut funktionierende Abwehrsystem kann krankhaften Veränderungen unterliegen. Hier sollen nur die erworbenen Immunschwächen betrachtet werden: Werden über kontinuierlichen pathogenen Einfluss emotionale, endokrine oder immunologische Parameter gestört folgt Krankheit

Erworbene Immunschwächen

Distress – negativer Stress, der nicht durch Erfolg ausgeglichen wird - ist eine der Ursachen für eine erworbene Immunschwäche. Abhilfe schaffen Erfolgserlebnisse, positiver Stress (Eustress), Harmonie.

Weitere Ursachen: Identitätsverlust (man ist niemand mehr), Verlusterlebnisse (durch Tod oder Trennung), Aggressionshemmung, also die ständige Unterdrückung und Anpassung sind starke Ursachen für Krebserkrankungen.

Auch dichte Wohnraumbesiedlung mit einer ungesunden Baubiologie, Bewegungsmangel, falsche Ernährung, schädliche Medikamente, Strahlenbelastung, Belastung mit Schwermetallen usw. – das alles kann zu einer erworbenen Immunschwäche führen.

Jeder der verursachenden Faktoren kann bei dauerndem Fehlverhalten immunschädigend wirken und so das Risiko für eine Krebserkrankung kontinuierlich erhöhten.

Die Einleitung einer Erfolg versprechenden Diagnostik

Um sich ein sehr frühes Bild für das Risiko einer Tumorerkrankung zu machen, müssen allgemeine serologische Parameter beachtet werden. Dazu zählt der Immunstatus, das Hormonprofil, Untersuchungen zu Allergien, immunologische Spezialuntersuchungen, Bestimmung von Vitaminen, Elektrolyten und Spurenelementen, Tumormarker, Darmflora und Schwermetallbelastungen.

Mit diesem Screeningprogramm (Abtasten) erfassen wir Veränderungen die den Verdacht auf eine Tumorentwicklung aufzeigen können. Zusätzlich sind weitere Verfahren aus der alternativen Medizin besonders zur Beurteilung der Funktionalität geeignet:

oIrisdiagnostik oElektroakupunktur oDunkelfeldmikroskopie etc.

Daraus ergeben sich oft Zusatzinformationen für eine begleitende und spezifische Therapie, die insbesondere funktionelle Parameter der Zellen berücksichtigt.

Neue bildgebende Spezialverfahren zur Diagnostik einer Tumorerkrankung

PET (Positronenemissionstomographie)

Mit einem PET können aussagekräftige Bilder von biologischen Funktionen des menschlichen Körpers erstellt werden. Die Positronenemissionstomographie erlaubt eine Unterscheidung zwischen krankem und gesundem Gewebe. Eine einfache Zuckerbindung - z.B. Glukose - wird an eine signalgebende Substanz gekoppelt und dem Patienten injiziert. Detektoren lokalisieren die Signale der strahlenden Zuckersubstanz im menschlichen Körper. Ein Rechnersystem verarbeitet diese Signale und erzeugt eindrucksvolle Bilder über biologische Vorgänge. So kann man zum frühesten Zeitpunkt präventiv bei geringster Tumorentwicklung die Aktivität schon einer Tumorzelle nachweisen.

Spezialinformation: Dr. med. B. Hörr, Zehntgasse 1, 73207 Plochingen Tel.: 07153 82130 Fax: 07153 821330

Die weiteren bildgebenden Diagnoseverfahren

Die weiteren bildgebenden Diagnoseverfahren sind NMR (Kernspintomographie), CT (Computertomographie), Ultraschallsonographie, Ultraschallcomputertomographie. Je nach Fragestellung muss bei den bildgebenden Verfahren zwischen Kernspin, CT, Ultraschall ausgewählt werden.

Der Nachteil der bildgebenden Verfahren liegt darin, dass sie erst ab einer gewissen Größe, jedoch frühestens ab 0,5 Zentimeter Tumorgewebe nachgewiesen werden können. Der Vorteil von Kernspin-, Ultraschallcomputertomographie und Ultraschallsonographie liegen in der minimalen Strahlenbelastung.

Die Endoskopie mit ihrer Spiegelung von Körperhöhlen hat den Vorteil, dass dabei auch Gewebe entnommen werden kann. So gelingt eine schnelle zielsichere Diagnostik, auch mit der Möglichkeit einer Chemosensititivitätstestung zur Auswahl des richtigen Therapeutikums.

In der virtuellen Organdarstellung kommt eine verfeinerte Technologie der Kernspin- und Computertomographie zum Einsatz, die es erlaubet, ohne invasive Methoden, Frühdarstellungen von Tumoren zu ermöglichen. Ein Nachteil bei dieser Art des Tumornachweises ist die fehlende Gewebeentnahme.

Die Mammographie, die immer noch der Eckpunkt der Brustkrebsdiagnostik ist, wird jedoch in zunehmenden Maße von den o. g. modernen Verfahren abgelöst. Ihr Nachteil ist neben der mechanischen Traumatisierung des Gewebes, eine gleichzeitige Röntgenbestrahlung.

Neu - Spezialparameter aus dem Blut

Grundlage der neuen erfolgreichen Konzeption ist die jahrlange Forschung der molekularen Onkologie. Dabei hat die Entdeckung spezifischer genetischer Veränderungen in malignen Tumoren bei der Krebsforschung wichtige Impulse gegeben. Mittlerweile gibt es in Speziallabors molekularbiologische Untersuchungen von Tumorgenen und Tumorproteinen, die für die Entstehung und Progression menschlicher Tumoren von Bedeutung sind. Dieser sensationelle Fortschritt in der Diagnostik beruht dabei auf den wesentlichen Aspekten der Tumorfrüherkennung, des Resttumors und der Therapiesensitivität.

Veränderungen durch eine Tumorerkrankung

Kennzeichnend ist die Entstehung einer Zelldifferenzierungsstörung, z.B. wenn das Methionin des Genoms versagt. Es kommt zum Austausch bestimmter Aminosäuren in bestimmten Steuerungselementen unserer Gene. Mit im Spiel ist auch die Vergiftung des Suppressorgens p53, dem Wächter des Genoms. Der Zellteilungszyklus läuft dann zu rasch ab. - Beschädigte Zellen werden dann nicht mehr repariert und sterben nicht mehr ab (Ausfall der Apoptosegene).

Vielmehr rekrutieren sich diese „unsterblich“ gewordenen Zellen Blutgefäße aus der Nachbarschaft, dringen in den Kreislauf ein und verteilen sich über diesen. Obendrein betrügen diese Zellen dann auch noch das Immunsystem. Indem sie ihren embryonalen Charakter hervorkehren, kann das Immunsystem ohne Hilfe diese unsterblichen Zellen nicht erkennen. Außerdem blockieren die Tumorzellen die umliegenden Abwehrzellen.

So wurde die diagnostische Apherese (Blutfiltration) zum Mittelpunkt der einzelnen Verfahren. Man kann so Krebszellen aus dem peripheren Blut eines Patienten isolieren und genetisch charatkerisieren. So entscheidet man bei Tumorerkrankungen high risk und low risk Patienten. Ebenso kann eine sehr frühe Erkennung eines Tumorrisikos erfasst werden. Darüber hinaus ist es außerdem möglich, Resistenzfaktoren von Tumoren zu identifizieren.

Wie das Aufspüren der Tumorzellen funktioniert

Bei der Entstehung der ersten Tumorzelle kennen wir bereits die umfangreichen Umstrukturierungen die zum Selbstzweck des Tumorwachstums eingesetzt werden. Dabei erscheinen im Blut bereits die ersten organisierten Tumorzellen. Wir finden im Blut typische Merkmale:

Oberflächenmarker wie Zytokeratine, epitheliale Zellen, Tumormarker, Wachstumsfaktoren, die die Tumorzelle zum Wachstum anregen. Diese Wachstumsfaktoren lassen neue Blutgefäße entstehen und erhöhen die Durchblutung. Es handelt sich zum Beispiel um das Enzym Telomerase und das Survivin, das für das Wachstum der Tumorzelle förderlich ist.

Bei all diesen organisierten und von der Tumorzelle gewollten Veränderungen, entstehen an der Oberfläche der Zelle neue Oberflächenmarker. Diese molekularen Marker können hochspezifisch sehr früh bereits vor Entstehung der Malignität Hinweise auf eine bösartige Entwicklung geben. Eindrucksvoll ist dabei z.B. ANTI P 53, das bereits bei Prämalignität Auskunft über eine Entwicklung zum Karzinom gibt.

Wie die Auswertung dieser neuen Spezialparameter funktioniert

Zum Nachweis zirkulierender Tumorzellen im Blut stehen mehrere molekulare Marker zu Verfügung. Da normalerweise Karzinome epithelialen Ursprungs im Blut nicht vorkommen, können Gene epithealer Zellen einen Hinweis auf zirkulierende Tumorzellen geben.

Zur Identifizierung von Tumorzellen können bestimmte Zytokeratinantigene gemessen werden. So lassen sich auch Rückschlüsse auf den Ursprung abhängig vom Ursprung des Tumors gewinnen (z.B. PSA für Prostata).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass mit den neuen Verfahren im Blut zirkulierende Zellen aufgedeckt werden, die dort normalerweise nicht vorkommen. So kann auf eine bösartige Veränderung von Zellen rückgeschlossen werden.

Es gibt außerdem Parameter von im Blut zirkulierenden bösartigen Zellen (K-ras-Gen, LOH oder erb 2, EGFR). Diese findet man bei typisch bösartigen Veränderungen. So wird z.B. Telomerase oder G250 nur in malignen Zellen angeschaltet. Falls nachgewiesen, ist dies ein absoluter Hinweis auf eine Tumorerkrankung.

Auch kann durch die genaue genetische Untersuchung dieser Zellen ein Mittel ausgewählt werden, dass empfindlich gegen diese Zellen wirkt. Somit können Resistenzfaktoren ausgeschaltet werden.

Zellisolierung und Chemosensititivitätstest

Beim Chemosensititivitätstest werden anhand der gewonnenen Zellen aus dem Blut, Untersuchungen vorgenommen, die exakt unterscheiden können ob eine Tumorzelle gegen ein Medikament resistent ist oder nicht. In den meisten Fällen entwickelt die Tumorzelle sehr schnell ein Pumpensystem, das jedes Zellgift das auf sie trifft in millionstel Bruchteilen einer Sekunde das Gift wieder aus der Zelle pumpt. Die Tumorzelle ist dann resistent gegen die Therapie. Wenn man diese Erkenntnis vor Beginn der Therapie hat, trifft ein passendes Medikament die Tumorzelle zu 100Prozent und zerstört sie.

Die neuen Therapieverfahren

Neben den althergebrachten Therapien der Operation, Chemotherapie und Bestrahlung gibt es nun auch neue therapeutische Verfahren, die gezielt und schon sehr früh eingesetzt werden können.

Die Radiofrequenzablatio Wo früher traumatisch operiert werden musste, kann heute von außen mit einer Nadel eine Metastase oder ein Tumor bildgesteuert punktiert werden. Anschließend gibt man Laser- oder Radiofrequenz auf die Nadel und verkocht so den Tumor. Diese Verfahren haben den Vorteil, dass durch die Zerstörung des Tumors, Tumormaterial aus dem zerstörten Tumorgewebe an das Immunsystem gegeben wird. Diese Information reicht dem Immunsystem aus, um passende monoklonale Antikörper gegen die Tumorzelloberfläche zu bilden und eine neue Ära der Tumorabwehr einzuleiten. Meist ist die Wende zur erfolgreichen Therapie damit geschafft.

Lokale Chemotherapie Tritt ein Tumorgeschehen isoliert auf, so muss nicht unbedingt in höchster Dosierung zellgiftiges Chemotherapeutikum dem ganzen Körper verabreicht werden. Über einen Katheder oder einer Punktion kann lokal über die zuführenden Gefäße das passende, vorher getestete, Medikament direkt an den Tumor herangeführt werden. So braucht man sehr wenig Chemotherapeutikum und belastet den restlichen Körper und das Immunsystem nicht.

Chemical Wraper Das Verfahren mit der Methode des Chemical Wraping wird speziell bei Hirntumoren eingesetzt. Liz Taylor wurde vor zehn Jahren mit dieser Methode operiert und hat so einen sehr bösartigen Hirntumor überlebt. Das Verfahren wurde in Los Angeles eingesetzt. In Deutschland wird es von Prof. Braunsdorf in Magdeburg angewendet und zeigt auch hervorragende Ergebnisse. Bei der Chemical-Wraping-Methode wird nachdem der Hirntumor total oder subtotal entfernt ist, ein Schwamm in die Tumorhöhle eingelegt, der mit einem Chemotherapeutikum getränkt ist. Das Chemotherapeutikum wird erst aktiv, wenn LDH ausgeschüttet wird. Normalerweise tritt im Hirn LDH nicht auf, Hirntumorzellen bilden aber LDH und können so immer wieder bei der ersten Tumorzellentstehung die eigene Waffe gegen sich aktivierten.

Interleukininhalation Über die Interleukininhalation, einem Botenstoff der Immunologie, kann das Immunsystem zur Überaktivität gegen Tumoren angeregt werden. Dies wirkt besonders gut bei Lungenmetastasen.

Chemoembolisation Über einen Katheder wird ein größeres Gebiet von Metastasen- oder Tumorzellen mit einem vorher getesteten Chemotherapeutikum beschossen. Anschließend werden mit kleinen Kügelchen die zuführenden Gefäße embolisiert und verschlossen. So nimmt man dem Tumor die Energiequellen zum Wachsen.

Laserinduzierte Thermotherapie Funktioniert ähnlich wie Radiofrequenzablatio nur mit Laser.

Radioimmuntherapie Bei der Radioimmuntherapie werden monoklonale Antikörper, die an der Tumorzelloberfläche andocken, an den Tumor gespritzt. Der Antikörper wird vorher mit einem Isotopen (Strahler) gekoppelt, so dass dieser Strahler jede einzelne Tumorzelle zerstören kann (besonders wirksam bei Hirntumoren).

Hyperthermie Manchmal sind Tumorzellen sehr wärme- oder hitzeempfindlich und können alleine durch die Erwärmung des Körpers (alte Fiebertherapie) zerstört werden. Zugleich stimuliert die Hyperthermie das Immunsystem. Außerdem wirken Chemotherapeutika oft drei- bis fünfmal stärker, wenn sie in hypertherme Regionen gelangen.

Lymphokintherapie Lymphokine sind Mediatoren, die die Immunantwort koordinieren und vom Generalstab der Immunologie gebildet werden. Wichtig ist ein exaktes Überprüfen der Wirkspiegel, da bei zu hoher Konzentration Immununterdrückung auftreten kann.

Monoklonale Antikörper Monoklonale Antikörper sind Antikörper die an Tumorzelloberflächen andocken. Die markierte Tumorzelle wird so auffällig für die Killerzellen des Immunsystems. Außerdem kann man an monoklonalen Antikörpern Strahlenchemotherapeutika oder andere Substanzen andocken und sie so zum Tumor bringen.

Nanotherapie Dieses neue Verfahren nutzt besonders bei Prostata- und Hirntumoren, die Fähigkeit der Tumorzellen, Eisenpartikel zu fressen. Nur Tumorzellen fressen dann Milliarden von Mikroeisenpartikeln. Anschließend wird das Tumorfeld in ein Magnetfeld gebracht. Durch die Anregung des Eisens erhitzen sich die Eisenkerne und zerstören über Hitze nur die Tumorzellen.

Stammzelltherapie Die Stammzelltherapie in der Onkologie steht an den Anfängen. Wir erwarten damit eine Revolution in der Tumorbehandlung. Wählt man z.B. Stammzellen die im Körper zu einer übersteuerten Reaktion führen, zerstören diese überschießenden Reaktionen auch Tumorzellen in großer Geschwindigkeit (2-3fach). Die Nebenwirkungen sind ähnlich wie bei Transplatatabstoßung oder wie beim Rheuma. Dieser Nebeneffekt ist zeitlich jedoch begrenzt und behandelbar.

Tumorvaccine Wenn man Tumorgewebe zur Verfügung hat, kann man durch spezielle Präparation und Aufbereitung daraus einen Impfstoff gegen Tumore machen. Heute ist es möglich diesen Impfstoff noch mit Viren zu koppeln, so dass diese Viren einen besonderen Taxidienst zur Tumorzelle einrichten. Spritzt man dann diese Vaccine (Impfstoff) in einen nahen Lymphknoten, kann es in sehr schneller Zeit zur Rückbildung und Ausheilung von Metastasen oder Tumoren kommen.

Dentritische Zellen Dentritische Zellen sind besondere Vorstufen von Abwehrzellen, die sich zu wahren Killermonstern entwickeln können. Hat man sie vorher in Kontakt mit Tumorzellen gebracht, sind sie ausgebildet und werden nach Einbringen in den Körper unmittelbar gegen Tumorzellen vorgehen.

Therapie am epidermal growth factor-Rezeptor Der vor 20 Jahren entdeckte epidermal growth factor-Rezeptor ist ein einfach erreichbares Oberflächenantigen, bestehend aus extrazellulären, transmembranen und intrazellulären Anteilen. Dabei gibt es verschiedene Ansätze zur erfolgreichen Beeinflussung des Tumorwachstums: Monoklonale Antikörper gegen die extrazelluläre Domäne des Rezeptos kleine Moleküle, die die intrazellulären Tyrosinkinasen inhibieren Inhibierung des epidermal growth Rezeptors durch Antisense-Oligonukleotide. Benutzen von antikörperbasierten Immunkonjugaten, wie Immunotoxine, Immunoradionukleotide und Immunoliposomen. In Zukunft wird es noch weitere Möglichkeiten geben, wie man epidermal growth factor Signalwege beeinflusst, um gewisse Zellfunktionen zu inhibieren oder zu aktivieren. So ergibt sich eine ganz neue Generation erfolgreicher Medikamente in der Krebsbehandlung, wie Iressa, Taceva, Erbitux u.a.

Die Verbesserung der Behandlungsergebnisse

Chemotherapien haben erfahrungsgemäß bei soliden Tumoren im Schnitt etwa 20 Prozent Therapieerfolg. Dabei sind durchaus bei einzelnen Chemotherapeutika nur drei Prozent Therapieeffekt sichtbar.

Benutzt man zusätzlich Tumorvaccine erhöht sich der Erfolg um weitere 15 bis 20 Prozent durch Immuntherapie und 20 Prozent durch Hyperthermie, so dass bei individueller onkologischer Therapie der Erfolg doch mindestens bei 75 Prozent liegt.

Besonders wichtig ist dabei in der Diagnostik das neueste Verfahren zur Feststellung von Resttumorzellen im Blut und Mikrometastasen im Knochenmark.

Da 80 Prozent der Chemotherapien wirkungslos sind, ist es von größter Bedeutung, zuvor einen Sensitivitätstest und Resistenztest der Chemotherapeutika durchzuführen. Dazu geeignet sind DNA-Tests zum Auffinden des passenden Medikaments.

Durch Individualtherapien kann bei jeder Form der Tumorerkrankungen eine signifikante Erhöhung des Heilerfolges erwirkt werden. Wichtig sind dabei die multizentrische Zusammenarbeit und die strategische Planung der Therapie bereits bei Diagnosestellung.

Dr. med. Peter Schleicher ist Immunologe mit Praxis in München. Anschrift:Ismaninger Str. 65, 81675 München. Tel.: 089/4194530. Fax:089/41945310. Mailadresse: praxis@praxis-schleicher.de

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