Diabetes - warum gerade ich?

Diabetes - warum gerade ich?

Rund 1000 Menschen aller Altersklassen bekommen in Deutschland pro Tag die niederschmetternde Diagnose gestellt: Sie haben Diabetes mellitus. Und die meisten fragen sich, wie komme ich denn dazu, wieso gerade ich? Schäden an den Mitochondrien der Zellen verursachen Diabetes.

Bei den Tausend festgestellten Neuerkrankungen an Diabetes mellitus, die in Deutschland pro Tag registriert werden, sind viele Kinder betroffen. Die meisten Eltern, die erfahren, dass ihr Kind Diabetes hat, sind geschockt. Denn die Krankheit ist noch immer unheilbar, verursacht viele schwerwiegende Spätfolgen wie zum Beispiel Herzkrankheiten und Schädigung der Blutgefäße. Zum Thema Diabetes wird viel geschrieben über gesunde Ernährung, über Diäten, über Bewegung und richtiges Verhalten bei dem als „Zuckerkrankheit“ bekannten chronischen Leiden. Am wenigsten ist jedoch von jenen Diabetes zugrundeliegenden ursächlichen Defekten die Rede sein, die in den menschlichen Zellen zu finden sind. Genauer: in den Mitochondrien der Zellen.

Neue medizinische Erkenntnis: Schäden an den Mitochondrien der Zellen verursachen Diabetes

Erst in jüngster Zeit wird die fundamentale Bedeutung dieser Mitochondrien für die Entstehung von Diabetes entschlüsselt. Mitochondrien sind evolutionsgeschichtlich Bakterien, die vor Milliarden von Jahren in jene Zellen (Eukaryoten) eingewandert bzw. mit ihnen verschmolzen sind, aus denen später Tier und Mensch entstanden sind. Zum Glück – denn ohne Mitochondrien würde keine Zelle eines „höheren“ Lebewesens funktionieren. Mitochondrien teilen und vermehren sich auch noch immer wie Bakterien und haben ihr eigenes Erbgut, bestehend aus 37 Genen. Es wird nur über die mütterliche Linie weitergegeben. Das heißt, dass die Gene der Mitochondrien immer von der Mutter zum Kind vererbt werden, über die Eizelle, aus der ein Embryo und schließlich ein neuer Mensch entsteht. So können Krankheiten wie Diabetes immer wieder vererbt werden, die in der mütterlichen Linie bestehen.

Billiarden Mitochondrien-Kraftwerke in den Zellen halten uns am Leben

Mitochondrien sind winzige eigenständige Organe innerhalb unserer mikroskopisch kleinen Körperzellen. Sie sind nur im Rasterelektronenmikroskop (REM) bei 100.000-facher Vergrößerung für das menschliche Auge überhaupt sichtbar. Die unvorstellbare Zahl von Tausend bis Zweitausend dieser Kraftwerke arbeiten beispielsweise in einer einzigen Herzmuskelzelle oder in einer Hirnzelle. Dabei ist eine einzelne Zelle unseres Gehirns selbst nur etwa zehn bis 50 Mikrometer groß und damit rund 100-mal winziger als die Dicke eines Haares oder eines Blatt Papiers. Und in diesen winzigen Zellen unseres Körpers produzieren Tausend und mehr Mitochondrien unaufhörlich Tag und Nacht die Energie für den Denkapparat, für die Pumpe des Herzens, für unsere Sehzellen und für jeden Nerv. Nichts, aber auch gar nichts läuft ohne die Mitochondrien-Kraftwerke in unseren Körperzellen. Insgesamt sind es Billiarden Mitochondrien, die aus unserer Nahrung und der Atmung Energie produzieren und uns damit versorgen. In jeder Körperzelle befinden sich wie gesagt Hunderte bis Tausende davon. Man nennt sie die Kraftwerke der Zellen. Sie erzeugen das hochenergetische Molekül Adenosintriphosphat (ATP), das in der Wissenschaft der Biochemie als die „universelle Energiewährung der Zelle“ oder die „Universalwährung des Lebens“ schlechthin bezeichnet wird. Jeden Tag produzieren Billiarden Mitochondrien in uns etwa die Menge an ATP, die unserem Körpergewicht entspricht – 70, 80 Kilo und mehr.

Wo chronische Krankheiten wie Diabetes mellitus ihre Ursachen haben

Wenn Mitochondrien geschädigt oder degeneriert sind, spricht man von mitochondrialen Krankheiten oder Mitochondriopathien. Zu ihnen gehören neben Alzheimer, Krebs und Parkinson auch Taubheit, Erblindung (Retinopathie), Bluthochdruck, Herzmuskelkrankheiten, Herzrhythmusstörungen, neurologische Defekte wie Muskelschmerzen bei Belastung, Muskelfaser-Zerfall (Rhabdomyolysen), Muskelschwäche (Paresen), Muskelschwund (Atrophie) und eben auch Diabetes mellitus. Mitochondrien spielen für die Aufrechterhaltung der Insulinfreisetzung in den Zellen eine bedeutende Rolle. Diese ist bei der Krankheit Diabetes mellitus gestört. Daher gelten Mitochondrien auch bei dem chronischen Leiden Diabetes mellitus als Auslöser. Mitochondrien sind nach neuen Erkenntnissen eine zentrale Ursache für die Insulinresistenz und den gestörten Zuckerstoffwechsel. In einer Veröffentlichung des Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) heißt es dazu, die mitochondriale Medizin sei einer der modernsten Zweige der heutigen Medizin. Zitiert werden britische Wissenschaftler u.a. mit der Aussage: „Mechanismen der Betazellzerstörung bei Typ 1 Diabetes und Typ 2 Diabetes liegen zunächst sehr weit auseinander und sind sehr unterschiedlich. Jedoch nutzen sowohl der immun-vermittelte Betazelltod bei Typ 1 Diabetes, als auch der durch metabolischen Stress ausgelöste Zelluntergang bei Typ 2 Diabetes den Weg über die Membran der Mitochondrien als gemeinsamen finalen Krankheitsweg.“

Ursache für Diabetes ist nicht nur die Fettleibigkeit, die Ursachen von Diabetes mellitus liegen tiefer

Typ 2 Diabetes werde häufig mit Fettleibigkeit und Insulinresistenz assoziiert. Die Wissenschaft sei sich aber auch einig, dass ein Typ 2 Diabetes nur manifest wird, wenn Betazellfunktionsstörungen aufträten und es zum teilweisen Betazellverlust durch Zelltod komme. Da die Mitochondrien nicht nur für die Aufrechterhaltung der Glukose-induzierten Insulinfreisetzung, sondern auch für das Überleben der Betazellen eine entscheidende Rolle spielten, seien sie nun als eine zentrale Ursache für die Insulinresistenz und den Betazelltod und damit von Diabetes mellitus erkannt worden. Die wenigsten Babys leiden schließlich unter Fettleibigkeit. Aber es gibt nicht wenige Zuckerkranke Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche mit Diabetes. Mitochondrienforscher sind den Defekten in unseren Zellkraftwerken auf der Spur. So auch jüngst beim 3. Weltkongress der Mitochondrienforscher in Berlin. Bei den Mitochondrienforschern geht es ans Eingemachte, an die Grundlagen unseres Lebens und unserer Gesundheit. Wenn die Ex-Bakterien in unseren Zellen ihre Arbeit einstellen würden, wäre Sekunden später unser Leben zu Ende – jeder Gedanke, jedes Gefühl, jeder Atemzug und alle Bewegungen. Aber auch wenn „nur“ Teilbereiche der Billiarden Mitochondrien unseres Körperkonglomerats geschädigt werden, sind die Folgen dramatisch: In Deutschland leben rund acht Millionen Menschen mit Diabetes, der „Zuckerkrankheit“ – einer Folge nicht intakter Zellkraftwerke. Nicht umsonst ist der Welt-Diabetes-Tag neben dem Welt-AIDS-Tag der zweite offizielle Tag, den die Vereinten Nationen einer Krankheit gewidmet haben. Er wurde im Dezember 2006 in der Resolution 61/225 verabschiedet. Darin war festgelegt worden, dass jedes Jahr am 14. November in der internationalen Öffentlichkeit die Krankheit des Diabetes mellitus im Mittelpunkt stehen soll. Der 14. November wurde deshalb gewählt, weil es der Geburtstag von Sir Frederick Banting ist, der zusammen mit Charles Best im Jahr 1922 das für unser Leben unentbehrliche Insulin entdeckt hat.

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