Mitomedizin - Kann Alzheimer doch geheilt werden?

Alzheimer-Demenz tritt meistens erst nach dem 60. Lebensjahr auf, wenn auch die Mitochondrien-Kraftwerke in den Zellen langsam weniger Energie produzieren. Der Zusammenhang zwischen Alzheimer und der in den Mitochondrien erzeugten Lebensenergie ist erst seit kurzem Gegenstand intensiver Forschung. Lange ging man davon aus, dass lediglich Protein-Ablagerungen im Gehirn wie Mehltau auf den Nerven liegen und durch diese sogenannte Plaque das große Vergessen um sich greift.

Alzheimer und Mitochondrien: zu wenig Energie für das Gehirn

Nun hat die Wissenschaft erkannt, dass mit den fortschreitenden Alterungsprozessen auch eine  verminderte Energieversorgung der Hirnzellen eintritt. Die in ihrer Leistungsfähigkeit nachlassenden Mitochondrien sind daran schuld. Der Prozess der Abnahme mitochondrialer Leistungsfähigkeit ist schleichend und wird zunächst kaum bemerkt. Die im Alter immer mangelhafter werdende Energieversorgung der Zellen mit dem energiereichen Molekül Adenosintriphosphat (ATP) führt zu einem massenhaften Absterben von Nervenzellen. Außerdem ist auch die Neubildung von Nervenzellen durch die schwindende Energieleistung der Mitochondrien immer stärker eingeschränkt.

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Gehirnzellen sind nur etwa zehn bis 50 Mikrometer groß. Damit sind sie rund 100-mal winziger als die Dicke eines Haares oder eines Blatt Papiers. Und trotz dieser Winzigkeit arbeiten in ihnen noch winzigere Kraftwerke, in jeder einzelnen Gehirnzelle tausend und mehr: die Mitochondrien. Hierbei handelt es sich um ehemalige Bakterien, die im Laufe der Evolution in jene Zellen eingewandert sind, aus denen wir Menschen bestehen: den Eukaryotenzellen. Die Ex-Bakterien haben einen Teil ihrer Souveränität aufgegeben, besitzen aber noch eigene Gene (über 30) und arbeiten in unseren Zellen als Hochleistungskraftwerke. Sie erzeugen unsere gesamte Lebensenergie  und solange sie topfit sind, ist auch unser Organismus stark.

Alzheimer und Mitochondrien: Billiarden Hochleistungskraftwerke

Die Mitochondrien sind ähnlich einem Zellkern von einer doppelten Membran eingehüllt. Sie sehen aber in Form und Größe noch immer wie Bakterien aus. In ihrem Innenraum, der Matrix, befindet sich auch die DNA der Mitochondrien. In jedem von uns stecken die von Bakterien erfundenen Zellkraftwerke in unvorstellbaren Mengen. Bei etwa zehn Billionen Körperzellen und 100 bis 1.000 solcher bakterieller Energiewerke pro Zelle ergeben sich Gesamtzahlen im Billiardenbereich. Sie allein sind verantwortlich für die Produktion der Lebensenergie in den Gehirnzellen, aber auch in allen anderen Körperzellen.

Amerikanische Forscher haben nun einen Bluttest entwickelt, aus dem man möglicherweise ablesen kann, ob und in welchem Zeitraum mit einer Alzheimererkrankung zu rechnen ist. Ob dadurch therapeutische Maßnahmen möglich sind, ist allerdings fraglich. Denn bislang sind keine Technologien für Reparaturen an Mitochondrien entwickelt. Allerdings  wurden bei künstlichen Befruchtungen bereits Mitochondrien in embryonalen Zellen isoliert. Sie konnten entnommen werden, und man hat sie Frauen eingepflanzt, deren Mitochondrien von einer Erbkrankheit befallen waren. Damit beginnt möglicherweise ein Weg, der doch eines Tages zur Mitochondrien-Reparatur in größerem Stil führt und auf lange Sicht das große Vergessen überwinden kann.

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