Das Geheimnis des Abnehmens: Schlankheitsdiäten bringen nichts

Fast jeder hat zum Abnehmen schon mal eine Diät gemacht

Fast jeder Deutsche hat irgendwann schon einmal eine Schlankheitsdiät gemacht. Und genauso viele sind damit gescheitert: nämlich fast alle. Dies hat eine stichprobenartige Umfrage unter den Lesern der MEDIZIN-WELT ergeben. 93 Prozent haben eine Diät schon einmal versucht, nur knapp fünf Prozent sagen, sie hätten damit längerfristig Erfolg gehabt. Aber immerhin 23,9 Prozent gaben an, mit einer konsequenten Ernährungsumstellung und viel Bewegung ihre Pfunde dauerhaft losgeworden zu sein.

Umfage zum Abnehmen: Was halten Sie von Diäten?

An unserer Umfrage beteiligten sich auch Diätfachleute, Ärzte und Autoren von Büchern zum Thema richtige Ernährung, die sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Übergewicht befassen. Wir haben ihnen zum Geheimnis des Abspeckens die folgenden Fragen gestellt:

  • Was halten Sie von Diäten?
  • Haben Sie sich selbst schon einmal einer Schlankheitsdiät unterzogen?
  • Welche Bedeutung messen Sie der täglichen Bewegung bei – angeblich sind 10.000 Schritte ein Richtmaß, um nicht dick zu werden?
  • Wie beurteilen Sie die Wirkung von Bitterstoffen in Gemüsen, Salaten und Wildkräutern für Verdauung und Figur?

Die interessantesten Antworten auf die Umfrage zu Abnehmen und Diäten

Christine Neubauer hält nichts von Diäten zum Abnehmen

Christine Neubauer, Schauspielerin („Die Geierwally“, TV-Serie "Die Landärztin") und Autorin des Bestsellers „Die Vollweib-Diät“: „Ich halte persönlich gar nichts von Schlankheitsdiäten. Ich habe früher alle ausprobiert und keine hat geholfen, das Gewicht wirklich dauerhaft zu reduzieren. Nur eine Umstellung der Ernährung funktioniert. Das habe ich ja ausführlich in meinem Buch „Die Vollweib-Diät“ beschrieben. Mit Schlankheitsdiäten habe ich nur schlechte Erfahrungen gemacht, weil ich danach sofort wieder zugenommen habe.

Hungern macht nicht schlank, weil der JoJo-Effekt das verhindert. Beim Hungern schützt sich der Körper und schaltet auf Sparflamme. Das bedeutet, der Körper verbraucht weniger. Wenn man dann wieder normal ißt, setzt der JoJo-Effekt ein. Man nimmt schnell wieder zu und wiegt nach kurzer Zeit mehr als vor der Diät. Denn der Körper verbraucht jetzt weniger Energie als früher. Jede Kalorie schlägt doppelt an.“

Für Christine Neubauer ist „tägliche Bewegung sehr wichtig“. Wer es schaffe, drei bis viermal pro Woche mindestens 30 Minuten Sport zu machen, würde seinem Körper damit „etwas wirklich Gutes“ tun und könne so auch sein Gewicht halten. Die Schauspielerin: „Ich laufe für mein Leben gerne. Dabei kann ich abschalten oder Texte lernen. Es ist wie eine Oase der Entspannung.“

Zum Thema Gemüse, Salate und Bitterstoffe sagt sie: „Grundsätzlich esse ich Salate, Kräuter und Gemüse sehr gerne, nicht weil es gesund ist, sondern weil es mir schmeckt. Daß sie auch Vitamine, Mineralstoffe, Bitterstoffe und Ballaststoffe enthalten, ist ein wunderbarer Nebeneffekt.“

Worauf es beim Abspecken ankommt

Nur wer wirklich bereit ist, seine Lebens- und Ernährungsweise grundsätzlich und langfristig zu ändern, wird das Erfolgserlebnis eines gesunden und schlanken Körpers erfahren. Darauf weisen alle Experten ausnahmslos hin. Hier ein paar Tips, die Frust vermeiden helfen und auf den richtigen Weg führen:

  • Müssen Sie überhaupt abnehmen? Maßgeblich dafür ist der Body-Maß-Index (BMI). Er zeigt das Verhältnis des Gewichts einer Person zur Körpergröße an. Mit ihm läßt sich auf einfache Weise berechnen, ob beispielsweise Übergewicht besteht oder nicht.
  • Ein Kilo Gewichtsabnahme innerhalb von zwei Wochen ist optimal. Es ist mit leichterer Kost und mehr Bewegung auch gut zu erreichen.
  • Hungerkuren bringen nichts – nur wer satt ist, nimmt ab. Und satt wird man auch von Gemüse, Obst und Salat – es muß nicht immer fett und schwer sein.
  • Schnelle Diätprogramme entleeren durchaus die Fettzellen durch eine verringerte Energiezufuhr, aber diese Zellen werden deshalb nicht weniger. Sofort nach dem Ende der Diät füllen sie sich wieder – das nennt man JoJo-Effekt.
  • Langfristige Ernährungsumstellung und viel Bewegung reduziert die Anzahl der Fettzellen – deshalb ist der Effekt des Abnehmens dauerhaft.
  • Die größte Kalorienbombe ist nicht die Schlagsahne, sondern der Alkohol. Und hier vor allem Bier, Champagner, Sekt und Schnaps.
  • Ohne ausreichende Bewegung kann ein Mensch nicht schlank, vital und gesund sein. Dabei ist es falsch, die Bewegung auf irgendwelche Anlässe zu verschieben – eine Stunde Tennis in der Woche oder zwei Stunden Fitnesscenter –, sondern es kommt auf die alltägliche Bewegung an, auf die Summe an Energieverbrauch in jeder Stunde.

Dr. Peter Schleicher: Von Schlankheitsdiäten halte ich überhaupt nichts

Dr. med. Peter Schleicher, Münchner Immunologe und Krebstherapeut, Autor vieler Bücher zum Thema Gesundheit wie beispielsweise „Natürlich heilen mit Schwarzkümmel“ und die Neuerscheinung „Argan-Öl“:

„Von Schlankheitsdiäten halte ich überhaupt nichts. Wie immer sie auch heißen mögen, sie bringen gar nichts, weil es bisher nicht gelingt, den JoJo-Effekt auszuschalten. Es gibt jetzt allerdings Ansätze, dies über Hormonregulierungen zu erreichen. Sie scheinen mir sehr vielversprechend zu sein.“

Er selbst habe sich schon Schlankheitsdiäten unterzogen, aber „meine Erfahrungen sind bisher auch nicht besser, als die von hunderttausend anderen Abspeckern.“ Eine hohe Bedeutung mißt Dr. Schleicher der täglichen Bewegung bei: „Das ist ein bislang noch vernachlässigter Faktor. Statt manchmal Sport zu treiben, sollte man in der Tat immer in Bewegung sein, wie Menschen früherer Generationen auch. Damals war es durch die Lebensumstände einfach nötig. Heute muß man sich bewußt bewegen, auch wenn es nicht nötig ist. Das britische Gesundheitsministerium propagiert daher „10.000 step a day“. Das ist außerordentlich vernünftig und wirkungsvoll. Ärzten ist es im Rahmen dieser Aktion sogar erlaubt, Schrittzähler zur Kontrolle der zehntausend Schritte pro Tag auf Rezept zu verschreiben. Ein Forschungsinstitut hat nämlich herausgefunden, daß zehntausend Schritte täglich das Körperfett reduzieren, den Blutdruck senken, die Atmung verbessern und damit das Herz-Kreislauf-System stabilisieren.“

Auch die Wirkung von Bitterstoffen in Gemüse und Salaten ist dem Arzt zufolge „außerordentlich wichtig“. Denn: „Sie lenken unser Nahrungsfett dorthin, wo es auch hingehen sollte, nämlich zur Fettverbrennung und nicht zur Einlagerung an Hüfte, Bauch und Po.“

Ernährungswissenschaftlerin Susanne Sonntag: Diäten sind zum Abnehmen nur sinnvoll, wenn Sie eine dauerhafte Ernährungsumstellung gewährleisten

Diplom-Ernährungswissenschaftlerin Susanne Sonntag von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. in Aachen:

„Diäten sind sinnvoll, wenn sie den Empfehlungen einer gesunden Ernährung entsprechend eine dauerhafte Ernährungsumstellung gewährleisten.“ Sie selbst habe sich noch keiner Schlankheitsdiät unterzogen. Bewegung, bzw. Bewegungsmangel sei ein wichtiger Faktor für Gesundheit und Schlankheit. Ebenso wichtig sei der Verzehr von Gemüse und Obst. „Sie sind gesunde, kalorienarme Lebensmittel mit einer guten Sättigungswirkung und gesunden Inhaltsstoffen.“

Dr. Volker Pudel: Von Schlankheitsdiäten zum Abnehmen halte ich gar nichts

Dr. Volker Pudel von der Ernährungspsychologischen Forschungsstelle in Göttingen, Autor des Bestsellers „Die PfundsKur“ und der soeben erschienenen Trainingsanleitung „Das Fett-weg-Programm“:

„Von Schlankheitsdiäten halte ich gar nichts. Die freiwillige Notzeit, die solche Diäten darstellen, beantwortet der Organismus mit bewährten Programmen, die entwickelt wurden, als die Menschheit von unfreiwilligen Hungersnöten heimgesucht wurde. Sparprogramme werden aktiviert (z.B. Muskelabbau, um den Grundumsatz zu senken), die nach Abbruch der Diät zum JoJo-Effekt führen. Wer abnehmen will, darf nicht weniger, sondern muß mehr essen: Mehr Kohlenhydrate, die Menge auf den Teller bringen und satt machen. Dafür muß aber an Fett gespart werden, das wenig Volumen und wenig Sättigungswirkung hat. Acht Schokotrüffel (fettreich) liefern genau wie sechs Bananen (kohlenhydratreich) 570 kcal – aber nur die Bananen machen satt.“

Auf die Frage, ob er sich selbst schon einmal einer Schlankheitsdiät unterzogen habe, antwortete Pudel: „Nein, darum bin ich auch noch schlank. Seit 35 Jahren erforsche ich das Problem Übergewicht. Da werde ich doch nicht die Fehler machen, die ich bei meinen Patienten festgestellt habe.“

Den Alltagsbewegungen räumt der Ernährungsexperte einen hohen Stellenwert ein: „Die aktive Bewegung im Alltag (nicht die eine Stunde Tennis in der Woche) entscheidet über die Gewichtsstabilisierung. Deutsche laufen im Durchschnitt noch gerade einmal zwei Kilometer in der Woche. Kinder und Jugendliche sitzen stundenlang vor dem Fernseher oder dem Computer. Wer täglich 10.000 Schritte macht – ca. 7.000 bis 8.000 Meter – nutzt die dicke Chance für die schlanke Linie.“

Bitterstoffe hätten auf die Figur „sicher keine direkte Wirkung.“ Allerdings seien Gemüse, Salate und Wildkräuter empfehlenswerter als Bratwurst mit Mayonnaisensalat oder Pommes mit Ketchup, so Volker Pudel.

Thema:
AbnehmenBitterstoffe

Suche

ARTIKEL EMPFEHLEN

TOP-THEMEN